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Positive Kipppunkte: Wenn Nachhaltigkeit zum Selbstläufer wird

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23.02.2026

Im Gastblogbeitrag schreibt Martin Auer im dritten Teil darüber, wie positive Kipppunkte in Technologie, Politik und Gesellschaft den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise selbsttragend machen können, und warum dieser Wandel trotz Rückschlägen aktiv unterstützt und sozial gerecht gestaltet werden muss. Hier ist der erste Teil zu finden und hier der zweite Teil.

Der jüngste Global Tipping Points Report betont nicht nur die wachsenden Risiken gefährlicher Kipppunkte im Erdsystem, sondern auch die Notwendigkeit, gezielt positive Kipppunkte auszulösen. Damit sind gesellschaftliche und technologische Wendepunkte gemeint, an denen sich nachhaltige Entwicklungen so stark beschleunigen, dass sie sich selbst weitertragen.

Positive Kipppunkte folgen derselben Grundlogik wie negative: Sobald verstärkende Rückkopplungen stark genug werden, entsteht ein Wandel hin zu einem neuen Systemzustand. In diesem Fall bedeutet das: weg von fossilen Strukturen, hin zu einer dekarbonisierten und nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Der Bericht versteht diese positiven Kipppunkte als zentrale Strategie, um den Klimaschutz schneller voranzubringen und gleichzeitig die Risiken irreversibler Veränderungen im Erdsystem zu begrenzen.

Damit Menschen Innovationen aufnehmen, müssen sie als erstes natürlich von der Existenz der Innovation erfahren. Doch bevor sie sie annehmen, müssen sie auch zumindest in Ansätzen verstehen, wie die Innovation funktioniert und wie sie angewendet werden kann. Die erste Gruppe, die sich an Innovationen heranwagt, eben die "Innovator:innen", eignen sich auch tiefer gehendes Wissen an. Sie sind besonders risikofreudig, nehmen in Kauf, dass es eventuell schiefgehen kann, aber haben auch die Mittel und Fähigkeiten, einen Misserfolg auszuhalten. Frühzeitige Anwender:innen, sogenannte "Early Adopters" sind oft besser ausgebildet, haben einen höheren sozialen Status, setzen sich mit Massenmedien auseinander, haben mehr Kontakte, mit denen sie kommunizieren und sind im Großen und Ganzen weltoffener. Die frühe Mehrheit wartet erst ab, bis andere positive Erfahrungen gemacht haben. Doch wenn die frühzeitigen Anwender:innen überzeugt sind, steigt die Zahl der Anwender:innen steil an, wie es die Grafik zeigt. Die Kurve wird erst wieder flacher, wenn eine gewisse Sättigung erreicht ist. Die späte Mehrheit ist besonders skeptisch und aus verschiedenen Gründen wenig risikofreudig. Nachzügler hängen oft an Traditionen, haben wenig Kontakte und sind oft älter.

Einige positive Kipppunkte sind schon überschritten

Die Analyse des Tipping Points Report zeigt, dass in einigen Bereichen solche Kipppunkte bereits überschritten wurden. Besonders deutlich ist dies in der Energieversorgung: Solarstrom, ergänzt durch Batteriespeicher, ist in vielen Ländern inzwischen die günstigste Form der Stromerzeugung. Auch Windenergie hat in zahlreichen Märkten einen entscheidenden Durchbruch erreicht. Ein weiteres Beispiel ist die Elektromobilität. In Norwegen etwa hat sich der Markt innerhalb weniger Jahre fast vollständig zu Elektrofahrzeugen verschoben, nachdem diese wirtschaftlich attraktiver wurden als Benzin- und Dieselautos. Der Anteil an den Neuzulassungen betrug im letzten Jahr 95,9 Prozent. In China und Teilen Europas schreitet dieser Wandel ebenfalls schnell voran, während andere große Märkte........

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