BSR-Chefin antwortet auf Leserbriefe: Stadtsauberkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe
Jeden Tag sind BSR-Beschäftigte auf Berlins Straßen und Plätzen im Einsatz, um die Stadt für uns alle sauber zu machen. Das ist ihr Beruf, hierfür werden sie entlohnt – und die Bürgerinnen und Bürger zahlen dafür Reinigungsgebühren.
Doch leider wird die Arbeit unseres Team Orange oft schnell wieder zunichte gemacht – und zwar nicht durch den Blütenstaub des Frühlings, das Herbstlaub oder den Splitt nach dem Winter. Sondern durch achtlos weggeworfene Kleinabfälle wie Getränkebecher, Zigarettenkippen oder Papiertaschentücher und illegal abgelagerte Großabfälle wie Sperrmüll, Elektroschrott oder Bauschutt, die unsere Stadt immer wieder aufs Neue vermüllen.
Stephanie Otto ist seit 2019 Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung (BSR).
Um eine Zahl zu nennen: Allein im Jahr 2025 beseitigte die BSR rund 60.000 Kubikmeter illegale Ablagerungen – Tendenz steigend. Manchmal kommen sich unsere Reinigungskräfte vielleicht schon wie Sisyphos vor – diese Figur aus der griechischen Mythologie, die ständig einen Felsblock den Berg hinaufwälzt, der kurz vor dem Ziel dann wieder herunterrollt.
Die zahlreichen Leserbriefe, die den Tagesspiegel in den vergangenen Monaten zum Thema Stadtsauberkeit erreicht haben, enthalten unterschiedliche Vorschläge, wie man das Problem der Vermüllung am besten in den Griff bekommen könnte: Manche Leser:innen wünschen sich eine stärkere Rolle der BSR, einige wollen mehr Informationskampagnen – und viele fordern konsequentere Maßnahmen gegen die Verursachenden.
Leserinnen und Leser schreiben über Müll in Berlin
Lesen Sie jetzt auch:
Denn der Müll fällt ja nicht wie das Laub vom herbstlichen Himmel, sondern hinter jeder Vermüllung steht ein Mensch, der diese zu verantworten hat. Dabei handelt es sich zwar nur um eine Minderheit der Berliner:innen und Besucher:innen der Stadt, aber die wenigen, die unser Berlin immer wieder als Müllkippe missbrauchen, richten einen ziemlich großen Schaden für alle an.
Die Frustration vieler kann ich daher absolut nachvollziehen. Umso wichtiger ist die tägliche Arbeit des Team Orange, aber auch das Mitwirken aller beim Thema Stadtsauberkeit.
Die Zuschriften Ihrer Leserinnen und Leser haben mich deshalb nochmals in meiner Auffassung bestärkt, dass nachhaltige Stadtsauberkeit nur gemeinsam funktioniert. Das zeigt auch eine Online-Umfrage im Auftrag der BSR, in der 96 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass „Sauberkeit in der Stadt die Mitwirkung aller erfordert“.
Stadtsauberkeit als Gemeinschaftsaufgabe bedeutet hierbei für mich, ganzheitlich zu denken und auch ganzheitlich zu handeln. So hat die BSR in den vergangenen Jahren stets klar gemacht, dass für eine saubere Stadt ein Dreiklang an gleichrangigen Faktoren wichtig ist – wir nennen das auch unseren Triple-A-Lösungsansatz: 1. Gute Angebote für die Müllentsorgung. 2. Umfassende Aufklärung über diese Angebote durch Umweltbildung, Kampagnen und Aktionen. 3. Konsequente Ahndung von Gesetzesverstößen.
Leserinnen und Leser schreiben über Müll in Berlin
Lesen Sie jetzt auch:
Was bedeutet das nun konkret? Für die Bürger:innen unserer Stadt gibt es bereits zahlreiche gute Angebote zur Abfallentsorgung, zum Beispiel 14 Recyclinghöfe, den günstigen BSR-Sperrmüll-Abholservice, die Tiptapp-App zur Transporthilfe bei der Sperrmüllentsorgung sowie die entgeltfreien Kieztage, bei denen ein „kleiner Recyclinghof“ direkt in die eigene Nachbarschaft kommt.
Zudem fördern wir das Bewusstsein für mehr Stadtsauberkeit durch umfassende Aufklärung, beispielsweise mit digitalen Informationsangeboten, regelmäßigen Sauberkeitskampagnen und unserem beliebten „Kehrenbürger“-Projekt, bei dem Berliner:innen, unterstützt von der BSR, in ihrer Nachbarschaft Müll sammeln und so zur Stadtsauberkeit beitragen.
Darüber hinaus ist aber auch die konsequente Ahndung von Gesetzesverstößen wichtig. Hier hat die Politik schon vieles auf den Weg gebracht, zum Beispiel eine Stärkung der Ordnungsämter, die Verschärfung des Bußgeldkatalogs und den Ansatz, dass Müll-Bußgelder künftig den Bezirken zugutekommen sollen. Denn nur mit mehr Personal für die Ordnungsbehörden können Verstöße auch entsprechend geahndet werden.
Leserinnen und Leser schreiben über Müll in Berlin
Lesen Sie jetzt auch:
Keine Frage: Auch wir als BSR können immer noch besser werden. Konstruktive Kritik nehmen wir sehr ernst – und arbeiten mit allen Beteiligten daran, spürbare Verbesserungen zu erreichen. Denn Stadtsauberkeit trägt ganz wesentlich zur Lebensqualität der Berliner:innen und ihrer Gäste bei.
Andere Meinung? Mehr Argumente? Unterschiedliche Perspektive zum Thema des Artikels des BSR-Chefin? Schreiben Sie per E-Mail an leserbriefe@tagesspiegel.de. Und natürlich können Sie hier in der Community mitdiskutieren – einfach auf die Sprechblase klicken. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir aus der Vielzahl der Zuschriften nicht sämtliche beantworten können. Wir lesen aber alle, nicht zuletzt, um eine Auswahl zur Veröffentlichung hier online und/oder in Print/E-Paper zu treffen.
So bessern wir beispielsweise zielgerichtet nach, wenn an vielbesuchten Orten größere öffentliche Abfallbehälter notwendig werden. Außerdem übernehmen wir künftig die Reinigung weiterer Parks mit Spielplätzen, verstärken unsere Kooperation mit Polizei und Ordnungsämtern und bauen ein Spezialteam auf, das sich um besondere Verunreinigungen kümmern wird, um nur einige Neuerungen für dieses Jahr zu nennen.
Klar ist aber auch: Nachhaltige Stadtsauberkeit geht nur gemeinsam. Jede und jeder muss einen Beitrag leisten – die BSR allein kann das Vermüllungsproblem nicht lösen. Ich bin aber zuversichtlich, dass uns dies zusammen gelingt. Denn Berlin hat in den vergangenen Jahrzehnten schon so viele Probleme bewältigt – dann werden wir es auch hinbekommen, gemeinsam unsere Stadt sauber zu halten.
