Eintönige Musik beim Eiskunstlaufen: Hans Zimmer nervt doch schon im Kino
Meine Tochter hört gerne den Song „Das Alpaka muss Kacka“, ein Freund von mir bevorzugt das schmierige „(I Just) Died in Your Arms Tonight“ aus den Achtzigern. Mir egal, ich mag sie trotzdem beide gerne. Geschmäcker sind verschieden. Aber manches Mal wird man (ganz subjektiv) auf eine harte Probe gestellt.
Das gilt auch für die Musik bei den diesjährigen Eiskunstlauf-Wettbewerben der Olympischen Spiele. Früher war nicht alles besser, aber die Musik beim Eiskunstlauf schon – finde ich.
Martin Einsiedler gibt hier zu, dass er sich vor 35 Jahren eine Platte von den „Scorpions“ gekauft hat.
Es liefen Evergreens wie „Carmen“, „Schwanensee“, „Romeo und Julia“, „Bolero“, „Nussknacker“ oder ein paar andere Klassiker. Das war manchmal langweilig, aber immer noch besser als grässlicher, schlecht gealterter Rock (Andrew Torgashev zu Scorpions’ „Maybe I, Maybe You“) oder irgendein Score aus Hollywood. So schallt der grauenhafte Lärm aus dem Film der Animationsfiguren Minions aufs Eis. Und schon lange hat Hans Zimmer den Sport erreicht.
Der Filmkomponist macht gefühlt seit 40 Jahren die Musik für jeden erdenklichen Hollywood-Blockbuster – unter anderem auch für „Gladiator“, den Film, in dem Russell Crowe in der Hauptrolle des Maximus die Römer fertigmacht.
Zimmer mag genial darin sein, Musik zu schaffen, die auf große Reichweite zielt. Aber ist es nicht etwas billig, den Meister der Klänge für die Masse auch für die eigene Kür zu verwenden?
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Sicher, „Gladiator“ hat eine Dramatik und einen Drive, der zum Eiskunstlauf passt. Was aber nervt, ist seine Omnipräsenz – nicht nur in Hollywood, sondern auch im Eiskunstlauf. Allein am Dienstag bei der Kür im Paarlauf wieder: Erst ertönte „Gladiator“ bei den Kanadiern Lia Pereira und Trennt Michaud, zehn Minuten später lief das Gold-Paar Riku Miura (24) und Ryuichi Kihara unter den Klängen von – genau – „Gladiator“ aufs Eis.
Am Ende des fantastischen Wettkampfs blieb die Erkenntnis: Die Musik konnte mit der Performance auf dem Eis nicht mithalten. Es fehlte ihr an Kreativität.
