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Solidarischer Besuch | Zu Besuch in Grönlands Vertretung bei der EU in Brüssel: Totenstille

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29.01.2026

Es war ein rigoroser, selbstbewusster Schritt. 1985 trat Grönland aus der Europäischen Gemeinschaft (EG) aus und wollte 2009 mit deren Nachfolger, der Europäischen Union, nicht so viel zu schaffen haben.

Die „Greenland Representation to the EU“ weigerte sich daher, mich zu empfangen – ich wurde vor 17 Jahren kurzerhand abgewiesen, als ich dort vorsprechen wollte. In meinem Brüssel-Buch beschrieb ich, wie ich mich trotzdem in den Büroblock mogelte, aber nicht in die hermetisch gesicherte Grönland-Etage vorzudringen vermochte. Sogar der Notausgang war im ersten Stock versperrt.

Im Lift gab es Tasten für alle Stockwerke, nicht aber für den ersten. Seitwärts im Lift funkelte dafür ein dunkles Kamera-Auge. Es gehörte Grönland. Grönland beobachtete mich feindselig und schweigend. Ich war offenbar nicht erwünscht.

Hat sich das am 22. Januar 2026, in einem existenziellen Augenblick für die Arktis-Insel, wenn in Brüssel ein EU-Sondergipfel zusammentritt, geändert? 27 Regierungschefs wollen in höchster Not darüber befinden, wie Europa auf eine gewaltsame Annexion Grönlands durch die Führungsmacht der NATO und den daraus folgenden Zerfall dieser Allianz reagieren sollte.

Ich hatte den Traum, einen solch historischen Moment in der Hauptstadt von EU und NATO zu verbringen – unter anderem in der grönländischen Repräsentanz. Natürlich hatte deren Personal jetzt erst recht keinen Nerv für Journalisten. Als ich jedoch einer Mitarbeiterin, deren Name Andersen an einen bekannten dänischen Märchenerzähler erinnert,........

© der Freitag