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Dicke Wände stören: Schnelles Internet bleibt an Berlins Schulen im Keller stecken

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04.03.2026

Berlin feiert einen digitalen Meilenstein. Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie vor einigen Tagen in einer Pressemitteilung mitteilte, sind nun alle rund 700 öffentlichen Berliner Schulen an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen. „Somit verfügen alle öffentlichen Berliner Schulen über einen belastbaren Glasfaseranschluss“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Damit scheint ein jahrelanges Versprechen eingelöst zu sein, dass die Hauptstadt in das Zeitalter der digitalen Bildung führen soll. Das Projekt wurde unter der Leitung des ITDZ Berlin (IT-Dienstleistungszentrum Berlin) umgesetzt.

In der Politik herrscht Euphorie über den Abschluss. Digital-Staatssekretärin Martina Klement vergleicht die Bedeutung des schnellen Internets mit „Wasser und Strom“. Schul-Staatssekretär Torsten Kühne lobt, man habe das Ziel „ein gutes halbes Jahr früher als geplant erreichen können“. Für Maria Borelli, Vorständin des umsetzenden ITDZ Berlin, ist das Projekt gar eine „Blaupause für weitere landesweite Digitalisierungsprojekte“.

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Wlan kommt nicht durch die dicken Wände

Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass das Kabel im Keller noch lange kein Highspeed-Internet im Klassenzimmer bedeutet. Lilo Kranich vom Landesschülerausschuss findet deutliche Worte für die Diskrepanz zwischen politischer Erfolgsmeldung und schulischer Realität. „Es ist gut, dass es den Ausbau gibt. Dass damit alles gelöst ist, ist aber ein Trugschluss“, gibt sie zu bedenken. Viele Berliner Schulgebäude seien „ultra-sanierungsbedürftig“, was die technische Umsetzung vor enorme Hürden stelle. Ein besonderes Problem ist die Bausubstanz der oft historischen Gebäude: „Wegen der dicken Wände kommt das Wlan auch oft nicht durch.“

Die Folgen für den Unterricht sind gravierend. „Uns berichten viele Schüler, dass sie mit ihren mobilen Daten am Unterricht teilnehmen“, so Kranich weiter. Ein flächendeckendes Netz, das allen zugänglich ist, scheint in vielen Einrichtungen noch Zukunftsmusik zu sein. Häufig sei das Wlan in den Schulgebäuden nur für Lehrkräfte reserviert, während die Schülerschaft auf ihre privaten Kapazitäten angewiesen bleibe. Ihr Fazit fällt kritisch aus: „Digitale Schule in Berlin ist auf jeden Fall noch ausbaufähig.“

Landesschülerausschuss fordert einheitliche Plattformen

Der Landesschülerausschuss fordert hier auch klare Vorgaben. „Wir fordern einheitliche Schulplattformen. Lernraum wird verwendet, aber auch nach wie vor Microsoft Teams, obwohl das nicht datenschutzkonform ist“, kritisiert die Schülersprecherin. Erschwerend kommt der allgemeine Mangel an IT-Administration hinzu: Oft müssen Lehrkräfte die Wartung der Netze „nebenher“ erledigen, was professionelle Lösungen verhindert.

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung verweist die Senatsverwaltung auf die Bezirke. Die Behörde sieht sich selbst in einer unterstützenden Rolle, lehnt eine direkte Zuständigkeit für die Überwachung der Schulnetze jedoch ab. Zur Unterstützung seien jedoch zentrale Rahmenverträge für Wlan und passive Infrastruktur geschaffen worden, um den regionalen Schulträgern die Beschaffung zu erleichtern. Zudem seien in den vergangenen Jahren im Rahmen des DigitalPakts Schule umfangreiche Bundesmittel für derartige Maßnahmen ausgereicht worden.


© Berliner Zeitung