Einer für alle, alle für einen: Mutmaßliches Grab von Musketier D’Artagnan entdeckt
Wir waren nicht dabei, als sich im gerade vergangenen Februar der Boden im Hauptschiff der Sint-Petrus-en-Pauluskerk in Maastricht auftat, Fliesen aus schwarzem Marmor in die Tiefe stürzten und alter Staub aufwirbelte. Die Kirche wurde mehrfach, zuletzt im 19. Jahrhundert, modernisiert. Durch das Loch im Boden gelangt man tiefer in die Geschichte des Gotteshauses, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Und unten, unter dem alten Altar, fand sich ein Hohlraum. Darin: Gebeine – Teile eines Brustkorbs, ein linker Arm, irgendwann unterhalb des Ellenbogens abgebrochen (oder vielleicht zu Lebzeiten abgehackt?), und ein Schädel, aufgeschlagen wie ein Frühstücksei.
Dass da kein Irgendwer in seiner ewigen Ruhe gestört wurde, ergibt sich schon aus der ehrenvollen Grablage, für die nur Adlige mit höchstem Ansehen und respektabelsten Verdiensten als würdig genug erachtet wurden. Das grenzt die Personengruppe schon einmal ein.
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Beifunde, wie eine auf das 17. Jahrhundert datierte Silbermünze, und der Fundort selbst machen es wahrscheinlich, dass es sich bei dem Toten um den berühmten Anführer der Musketiere handelt, um Charles de Batz de Castelmore d’Artagnan aus der Gascogne, der gleich um die Ecke bei der Belagerung von Maastrich, am 25. Juni 1673, einem Sonntag, durch einen Musketenschuss in die Kehle aus seinem Heldenleben gerissen wurde.
D’Artagnan trat früh in den Dienst der Krone ein und machte Karriere bei der Eliteeinheit im Dienste des Königs. Er focht und schoss nicht nur legendär, sondern spielte auch politisch eine wichtige Rolle. Der Offizier genoss das Vertrauen des Sonnenkönigs, Ludwig XIV. Auch der Umstand, dass seine Gebeine verschwunden waren, regte die Fantasie an, unter anderem die von Alexandre Dumas, der allerdings sehr frei mit den historischen Tatsachen umging. Nichtsdestotrotz wurde D’Artagnan zum Helden vieler Verfilmungen und zum Musterbild des Mantel-und-Degen-Genres.
Nicht ohne seinen Degen
Die gefundenen Knochen wurden in ein Institut in Deventer gebracht, wo Archäologen nach weiteren Hinweisen suchen, die die These festigen könnten. Wir können von hier aus wenig dazu beitragen, raten jedoch zur gründlichen Inspektion der aufgebrochenen Krypta.
Liegen da nicht noch ein paar Waffen herum? Die Muskete? Oder ein Kavaliershut mit breiter Krempe und Straußenfedern? Etwaige Lappen bitte vorsichtig durchwaschen. Ist er blau? Mit weißen Lilien? Dann könnte es ein Teil des Musketier-Tabard sein, geschmückt mit royalen Fleur-de-Lys. Und wenn sich irgendwo die rechte Hand finden sollte, müsste eigentlich der Griff eines Rapiers eingewachsen sein. Denn seinen Degen legt ein D’Artagnan auch im Tode nicht ab.
