Iran-Krieg legt Goldflüge aus Dubai lahm: Steigt jetzt der Goldpreis in Europa?
Die Iran-Krise bedroht den Goldhandel: Durch die Angriffe der USA und Israels auf Iran liegt der Flugverkehr in der Golfregion still. Nach Dubai geht kein Goldtransport mehr. Vom Flughafen dort startet auch kein Flieger. Logistikunternehmen berichten, dass alle Gold- und Silbertransporte von und nach Dubai seit Kriegsbeginn ausgesetzt sind.Das Problem: Dubai ist ein wichtiges Zentrum des Goldhandels im Nahen Osten – der Flughafen gilt als wichtiger Umschlagplatz für Goldbarren. Die Metropole in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) könnte vor allem Händler in Indien und Südostasien vom Goldfluss abschneiden. Wir sagen, ob es auch in Europa zu Engpässen bei Gold und Silber kommt.
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Dubai ist wichtiger Knotenpunkt im globalen Goldmarkt
Dubai ist eine der wichtigsten Drehscheiben für Edelmetalle. Im vergangenen Jahr wurden rund 20 Prozent des weltweiten Goldhandels über die Metropole in den VAE abgewickelt, berichtet die Financial Times. So wird zum Beispiel in Afrika geschürftes Rohgold in den VAE raffiniert und an Käufer in ganz Asien exportiert.
Vor allem Gold- und Silbertransporte von Europa nach Asien werden in Dubai umgeschlagen. Das Golf-Emirat ist das wichtigste Transitland für Edelmetall-Lieferungen aus der Schweiz und London. 2024 importierte Dubai rund 1392 Tonnen Gold im Wert von damals über 100 Milliarden US-Dollar, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Lockdown für Gold in Dubai bald wieder vorbei?
„Die Verfügbarkeit von Gold ist nach der Einstellung der Flüge aus dem Nahen Osten zu einem Problem geworden“, sagte John Reade, Senior Market Strategist beim World Gold Council, der Financial Times. Dies sei unter anderem ein Grund dafür, dass die Inlandspreise in Indien stark gestiegen seien.
Doch der Gold-Lockdown von Dubai ist offenbar nur vorübergehend. Die Fluggesellschaften vom Golf wie Emirates und Etihad „haben bereits begonnen, den Frachtverkehr wieder begrenzt aufzunehmen“, erklärt Dierk Schaffer, Geschäftsführer der Börse Stuttgart Commodities, auf Anfrage der Berliner Zeitung. Die Börse Stuttgart ist Herausgeber von erfolgreichen Gold-ETC – also verbrieften Ansprüchen auf physisches Gold, die als Wertpapier zum Beispiel im Euwax Gold II gehandelt werden.
So wirken sich die Gold-Ausfälle auf den Preis aus
„Bisher sind keine signifikanten Auswirkungen der Ausfälle der Goldtransporte aus Dubai auf den Preis von physischem Gold zu erkennen“, sagt Goldexperte Schaffer. Am Freitagnachmittag kostete die Feinunze Gold (30,1 Gramm) rund 5097 US-Dollar. Das sind umgerechnet rund 4414 Euro. Damit liegt das Edelmetall unter dem Rekordpreis, der Ende Januar die Marke von 5.594 Dollar erreichte.
„Die aktuellen Ausfälle beeinflussen den globalen Markt deutlich“, sagt hingegen Robin Kolvenbach, Co-CEO beim Goldhändler Argor-Heraeus in der Schweiz, auf Anfrage. Durch diese Verengung des Marktes nehme der Wettbewerb um alternative Bezugsquellen zu. Zudem stiegen die Transport- und Versicherungskosten wegen der geopolitischen Lage. „Dies betrifft die gesamte Branche“, so Kolvenbach. Argor-Heraeus ist eine der weltweit führenden Edelmetall-Affinerien mit Sitz im schweizerischen Mendrisio und Spezialist für das Verarbeiten von Gold, Silber, Platin und Palladium.
Gold aus der Schweiz ist besonders gefragt
„Wir beziehen grundsätzlich kein Gold aus Dubai oder den VAE“, sagt Kolvenbach. Daher hätten die Ausfälle der Goldtransporte aus Dubai keine Auswirkungen auf Produktion und Lieferfähigkeit von Argor-Heraeus. „Schweizer Anlageformen – und damit auch unser Gold – sind im jetzigen Umfeld besonders gesucht, gerade von asiatischen Investoren“, sagt der Schweizer Goldexperte.
Fazit: Argor-Heraeus gibt sein Urteil aus Sicht des Herstellers und Veredlers von physischem Gold ab. Die Kosten für den weltweiten Handel mit physischem Gold steigen aufgrund des Krieges und der Aussetzer in Dubai. Den Goldpreis an den Rohstoffmärkten beeinflussen diese Entwicklungen aber im Moment wenig, wie Schaffer von der Börse Stuttgart Commodities erklärt.
Gold-Wertpapiere sind die bequemste Lösung für Anleger
Für Anleger sind Gold-Wertpapiere, sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC), die günstigste und bequemste Lösung für ihr Goldinvestment. Die bekanntesten sind Xetra Gold und Euwax Gold II. Täglich lassen sie sich einfach über die Börse kaufen und verkaufen. Alle diese Papiere sind zu hundert Prozent mit physischem Gold hinterlegt. Für Euwax Gold II kümmert sich der Herausgeber, die Börse Stuttgart Commodities, um die sichere Lagerung in Tresoren. Auf Wunsch können Kunden sich das verbriefte Gold auf eigene Kosten sogar nach Hause liefern lassen.
Tipp: Bei Onlinebanken und Neobrokern können Anleger Gold-ETC mit geringen Kosten als Sparplan oder Einmalanlage kaufen. Am preiswertesten bieten die Neobroker Gold-ETC an. So verlangen Finanzen.net Zero und Smartbroker für den Kauf von Xetra-Gold oder Euwax-Gold II jeweils eine einmalige Gebühr von einem Euro; bei Scalable Capital sind es 0,99 Euro.
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