Die Touristen bleiben aus, doch Berlin ist noch immer stolz auf sich selbst
Die Bundeshauptstadt verliert Touristen! Das ist Fakt. So kamen im vergangenen Jahr 2,7 Prozent weniger Gäste als 2024 nach Berlin, sank die Zahl der Übernachtungen im Vergleich um 3,8 Prozent. Tendenz weiter fallend? Unklar. Von den Verantwortlichen hört man zu dem Thema jedenfalls derzeit nichts.
Rückgang nicht verwunderlich
Der bislang festgestellte Rückgang ist jedenfalls nicht verwunderlich. Denn diese Stadt ist längst dabei, sich selbst abzuwirtschaften – und verkauft das eigene Versagen dann noch immer als Charakter.
Wer nach Berlin kommt, zahlt inzwischen Preise, für die anderswo Service, Sauberkeit und ein bisschen Gastfreundschaft selbstverständlich wären. In Berlin bekommt man dafür oft das Gegenteil: Dreck, Baustellen, Störungen, Aggro-Stimmung und eine Verwaltung, die seit Jahren beweist, dass sie selbst Einfaches kompliziert machen kann.
Hauptstadt lebt von ihrem Ruf
Die Hauptstadt lebt von einem Ruf, den sie sich längst nicht mehr verdient. Früher war Berlin roh, wild, aufregend. Heute ist die Stadt an vielen Ecken einfach nur runtergerockt, überfordert und peinlich selbstzufrieden. Nichts funktioniert richtig, aber zu allem gibt’s eine Erklärung. In Berlin sind immer die Umstände schuld – nur nie die eigene Unfähigkeit.
Der Tourist merkt das schneller als manchem Lokalpolitiker lieb sein kann. Er steigt aus dem Flieger oder dem Zug und steht nicht in einer pulsierenden Metropole, sondern in einer Stadt, die oft wirkt wie ein Dauerprovisorium mit Hauptstadtzulage. Zu teuer, zu unfreundlich, zu kaputt. Und trotzdem mit der Attitüde: Friss oder stirb.
Abgehängt am Himmel: Warum Berlin und Ostdeutschland im Tourismus den Anschluss verlieren
Berlin hält sich noch immer für unwiderstehlich. Das ist der eigentliche Witz. Diese Stadt benimmt sich, als wäre sie der Nabel der Welt, obwohl sie vielerorts nicht einmal den Alltag ordentlich organisiert bekommt. Man ruft nach mehr Gästen, schafft es aber nicht einmal, ihnen eine Stadt zu bieten, die nicht an allen Ecken nach Überforderung aussieht.
Berlin hat keinen Charme mehr
Und dann dieses selbstverliebte Gerede vom besonderen Berliner Charme. Welcher Charme denn? Der Müll am Straßenrand? Die nächste ausgefallene Bahn? Die gesperrte Straße? Das Gefühl, als Besucher eher Störfaktor als Gast zu sein? Berlin verwechselt Verwahrlosung zu oft mit Authentizität und Schlamperei mit Lässigkeit.
Die Wahrheit ist brutaler: Berlin schreckt nicht ab, weil es zu ehrlich ist. Berlin schreckt ab, weil zu vieles nicht funktioniert. Weil die Stadt teuer geworden ist, ohne besser zu werden. Weil sie von ihrer Vergangenheit lebt, aber in der Gegenwart zu oft wie eine überforderte Kulisse daherkommt.
Touristen bleiben also nicht weg, weil sie Berlin nicht verstehen. Sie bleiben weg, weil sie Berlin sehr gut verstanden haben: Zu viel Ärger. Zu wenig Glanz. Zu hohe Preise. Zu wenig Hauptstadt für das viele Geld.
