Neptun Deep und der vertikale Korridor: Wie Südosteuropa zum europäischen Gas-Hub werden will
Infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine am 24. Februar 2022 ist die Europäische Union (EU) bestrebt, alternative Quellen für den Bedarf an Öl- und Gasimporten zu erschließen. Trotz strategischer Erfolge, die einseitige Energieabhängigkeit von Russland zu reduzieren, ist eine langfristige Transformation der bestehenden Energieinfrastruktur unausweichlich. Eine Schlüsselbedeutung kommt hierbei Südosteuropa zu – einem wichtigen Transitakteur zwischen den Energieproduzenten in Vorder- und Zentralasien sowie den Hauptabnehmern in Westeuropa.
Ende Februar fand der Transatlantische Gipfel für Gassicherheit in Washington, D.C., statt, an welchem neben den USA die Energieminister von insgesamt zwölf zentral- und osteuropäischen Ländern teilnahmen.
Themen des Gipfels waren die Ausweitung der Energiepartnerschaft zwischen Europa und den USA, die Sicherheit von Gaslieferungen für Zentral- und Osteuropa sowie die Diversifizierung von Energieeinfuhren und die Reduzierung der Abhängigkeit von Russland.
Das Gipfeltreffen wurde mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung besiegelt, welche die Ausweitung der bestehenden Energieinfrastruktur in Zentral- und Osteuropa ermöglichen soll.
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Der geschäftsführende Energieminister Bulgariens, Trajtscho Trajkow, und Rumäniens Energieminister Bogdan Ivan nahmen ebenfalls am Treffen teil. Beide hoben damit die Ambitionen ihrer Länder hervor, zu der Transformation Südosteuropas in ein Drehkreuz für den europäischen Gastransit beizutragen. Dies wirft wiederum die Frage auf, ob Bulgarien und Rumänien über die entsprechenden Kapazitäten und den politischen Willen verfügen, dies zu bewerkstelligen.
Bulgarien: Geografische Lage begünstigt Transformation zum Gas-Drehkreuz
„Bulgarien hat die Möglichkeit, ein Drehkreuz für Gasbereitstellungen und -transit zu werden, welches mit Südost-, Ost- und Zentraleuropa verbunden wird“, sagte Trajkow nach Unterzeichnung der Absichtserklärung. Ihm zufolge kann Bulgarien demnach eine Schlüsselrolle in der Verteilung von Flüssigerdgas aus den USA bekommen und damit einen signifikanten Beitrag zur Energiediversifizierung leisten, welcher wiederum zusätzliche Investitionen in das Gastransportnetzwerk zwischen Rumänien und Griechenland ermöglichen würde.
Trajkow hat während seiner Teilnahme am Gipfeltreffen zudem angekündigt, zwei Abschnitte des Vertikalen Gaskorridors bis 2026 fertigstellen zu lassen. Der Vertikale Gaskorridor ist ein von mehreren zentral- und osteuropäischen Ländern und Energieunternehmen initiiertes Kooperationsprojekt zur Förderung der Energiesicherheit und -zufuhr und zur Erschließung alternativer Energiequellen. Nach Fertigstellung soll er insgesamt jährlich bis zu zehn Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas in Ost- und Südosteuropa verteilen. Beteiligte Länder sind Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau, die Ukraine, Ungarn und die Slowakei.
Die von Bulgarien angekündigten Projektfertigstellungen sollen die Knotenpunkte Kulata/Sidirokastro an der bulgarisch-griechischen Grenze sowie Kardam/Negru Vodă an der bulgarisch-rumänischen Grenze sowie die Inbetriebnahme der Verbindung zwischen Stara Zagora (Bulgarien) und Komotini (Griechenland) umfassen. Damit sollen die Transportkapazitäten für via Griechenland eingeführtes Gas um bis zu 50 Prozent gesteigert und diejenigen nach Rumänien verdoppelt werden, wie Trajkow bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Energieminister der USA, James Danly, geäußert hatte.
In diesem Kontext hat das bulgarische Energieunternehmen Bulgartransgaz im September 2025 einen langfristigen Darlehensvertrag in Höhe von 200 Millionen Lev (102,3 Millionen Euro) mit der United Bulgarian Bank unterzeichnet, um die Projektarbeiten zu finanzieren. Weitere Projektförderung zur Ausweitung der Infrastruktur des Vertikalen Korridors wurde durch zwei Verträge in Höhe von 485 Millionen Lev generiert, welche Bulgartransgaz mit Hill International sowie dem bulgarischen Bauunternehmen Glavbolgarstroj im Jahr 2024 abschloss.
Für den geschäftsführenden Energieminister Bulgariens ist der Vertikale Gaskorridor entsprechend nicht nur ein Infrastrukturprojekt, sondern dient vor allem im Wesentlichen der europäischen Energiesicherheit. Mit dem Ausstieg aus und dem einhergehenden Verbot von russischen Flüssigerdgas- und regulären Pipelinegasimporten ab Ende 2026 bzw. Herbst 2027 würde er zudem die Einfuhr durch eventuelle „Hintertüren“ unmöglich machen, so Trajkow.
Durch seine zentrale Position nimmt Bulgarien eine geografisch wichtige Position innerhalb des Vertikalen Korridors ein. Entlang der Süd-Nord-Route verknüpft es die ebenfalls am Projekt beteiligten Staaten Griechenland und Rumänien, von wo aus die Gaslieferungen weiter Richtung Moldau, Ukraine und Zentraleuropa fließen. Ebenso können erhöhte Mengen an Erdgas nach Serbien und Nordmazedonien geliefert werden.
Serbiens Ministerin für Bergbau und Energie, Dubravka Ðedović Handanović, sagte auf dem Gipfeltreffen in Washington, dass durch den Ausbau von Gasverbindungen nach Rumänien und Nordmazedonien, zusätzlich zur Verbindung zwischen Serbien und Bulgarien, weitere vier Milliarden Kubikmeter Erdgas transportiert werden können. Damit könnte Serbien ebenso neue Quellen, Routen und Märkte erschließen, so Ðedović Handanović.
Trajkow selbst fügte auf dem Gipfeltreffen hinzu, dass Bulgarien damit die Möglichkeit hätte, das nationale Gasnetzwerk in einen strategischen Vorteil zu verwandeln – nicht nur für Bulgarien selbst, sondern für die gesamte Region.
Rumänien zementiert Führungsrolle in südosteuropäischer Energieinfrastruktur
Ivan unterstrich während des Gipfeltreffens in Washington „Rumäniens Rolle als Stabilitätsgarant in einem instabilen regionalen Umfeld“. Er traf sich ebenso mit Vertretern der Weltbank, um Finanzierungsmöglichkeiten für rumänische Energieprojekte zu analysieren.
Ebenso wie Bulgarien nimmt Rumänien eine wichtige Transitfunktion im Vertikalen Korridor ein und hat selbst bereits aktiv die europäische Infrastruktur gefördert. Laut Energieminister Ivan sollen beteiligte rumänische Energieunternehmen durch die Energieinfrastruktur ein „Gewinnpotenzial von bis zu 250 Millionen Euro jährlich“ erhalten, welches durch den erhöhten Transit und eine gesteigerte Liquidität am Markt ermöglicht werden könnte.
Bereits zuvor hatte Rumäniens Präsident Nicușor Dan bei seinem Staatsbesuch in den USA am 19. Februar, wo er an der ersten Sitzung des Friedensrats (Board of Peace) teilgenommen hatte, für „schnelle und konkrete Schritte“ bei der Umsetzung strategischer Energieprojekte geworben.
James Carafano, Sicherheitsexperte an der konservativen Denkfabrik Heritage Foundation, erklärte in einem Interview mit dem rumänischen Medienunternehmen Calea europeană, dass Rumäniens aktive Teilhabe an der Gestaltung der wirtschafts-, sicherheits- und energiepolitischen Ordnung den amerikanischen Interessen entspricht. Mit Blick auf Rumäniens Teilnahme an der ersten Sitzung des Friedensrats sagte Carafano, dass Rumänien damit seine Führungsrolle in Südosteuropa zementiert und hierdurch das Vertrauen zwischen Bukarest und Washington gestärkt wird.
Ähnlich wie Bulgarien ist auch Rumänien bestrebt, sein nationales Energienetzwerk zu modernisieren und zu diversifizieren. Von großer Bedeutung ist neben Rumäniens Teilnahme am Vertikalen Korridor das Neptun-Deep-Projekt, welches mit einer Gesamtinvestition von ca. vier Milliarden Euro von Romgaz und OMV Petrom mit Anteilen von jeweils 50 Prozent betrieben wird.
Neptun Deep liegt 160 Kilometer von der rumänischen Küste entfernt und dient der Erschließung von bis zu 100 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Nach Fertigstellung des Projekts, voraussichtlich im Jahr 2027, soll Rumänien zum größten Gasproduzenten innerhalb der EU aufsteigen.
Korruption und Misswirtschaft nach wie vor verbreitet
Ob Bulgarien und Rumänien ihrem Führungsanspruch gerecht werden, hängt jedoch auch davon ab, ob sie den realpolitischen Herausforderungen Herr werden können.
Erstens sind Korruption und Misswirtschaft sowohl in der bulgarischen als auch in der rumänischen Wirtschaft, allen voran aber in der Energieerzeugung, weit verbreitet. In Bulgarien war Wladimir Malinow, ehemaliger Geschäftsführer von Bulgartransgaz, in einen umfangreichen Korruptionsskandal involviert. Ihm wurden seitens der Europäischen Staatsanwaltschaft Betrug und Erpressung sowie Missmanagement vorgeworfen.
Teodora Georgiewa, Bulgariens Repräsentantin bei der Europäischen Staatsanwaltschaft, beschuldigte neben Malinow außerdem den Oligarchen Deljan Peewski der Erpressung von Geldern in Höhe von 20 Millionen Lev von Subunternehmen, woraufhin diese von ihrem Posten suspendiert wurde. Sie vermutete daraufhin, dass bulgarische Institutionen absichtlich ihre Ermittlungen behindern würden, und wurde nach eigenen Angaben mit Bedrohungen und Bestechungsvorwürfen konfrontiert, die sie als „haltlos“ zurückgewiesen hatte.
Malinow war mit Unterstützung der EU und der USA an der Erschließung von Gasfeldern in Tschiren, einem kleinen Dorf in Nordwest-Bulgarien, beteiligt, welches das Land sowie auch Südosteuropa im Allgemeinen von der Gasabhängigkeit von Russland lösen sollte. Der Connecting Europe Fund stellte kurz nach der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 78 Millionen Euro und die US Development Finance Corporation sogar 364 Millionen Dollar für die Durchführung als Darlehen bereit, was jedoch von Bulgartransgaz sabotiert wurde.
Bulgartransgaz teilte den Arbeitsauftrag in drei separate Verträge auf, die an ein Konsortium unter der Leitung von Glavbolgarstroy Holdings (GBS) vergeben wurden, was größere und finanzstärkere Firmen aus dem Ausland benachteiligte. Eine entsprechende Beschwerde ihrerseits an die bulgarische Kommission für Wettbewerbsschutz wurde abgewiesen.
GBS wiederum vergab Arbeitsaufträge an weitere Subunternehmen, was wiederum zu weiteren Rechtsstreitigkeiten führte und den Prozess abermals verzögerte. Ferner wurden die Bohrungen mit kostengünstigeren Methoden durchgeführt, um weitere Kosten einzusparen.
Bulgartransgaz löste den Arbeitsvertrag mit GBS schließlich auf, nachdem sich Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft abzeichneten und ins Stocken gerieten, mutmaßlich durch aktive Behinderung durch bulgarische Behörden, laut Georgiewa. Bulgartransgaz verzichtete sogar auf eine Strafzahlung in Höhe von 26 Millionen Lev, die seitens GBS fällig gewesen wäre aufgrund von Vertragsverletzungen.
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Malinov sowie zwei weitere Politiker – der ehemalige Finanzminister Wladislaw Goranow und der ehemalige Energieminister Rumen Owtscharow – und zwei ehemalige Leiter der Nuklearkraftanlage Kozlodui wurden von den USA unter dem Magnitsky Act sanktioniert. Ihnen wird Korruption und Bestechung vorgeworfen, deren Netzwerke bis nach Russland reichen.
Ferner wurden Deljan Peewski, Wasil Boschkow und Ilko Scheljaskow von Behörden des Vereinigten Königreichs sanktioniert. Sie stehen ebenso auf der Liste des Magnitsky Acts unter dem Verdacht der Korruption.
Auch Rumänien wird immer wieder von Skandalen im Energiesektor erschüttert. Im August 2023 explodierte beispielsweise in Crevedia, einer kleinen Siedlung nordwestlich von Bukarest, eine Station für Flüssiggas, deren Lizenz bereits 2020 ausgelaufen war und die nicht ordnungsgemäß in Betrieb war. Bei der Explosion starben drei Menschen und mehr als 50 wurden verletzt.
In einem Beitrag für die Deutsche Welle schrieb der rumänische Journalist Cristian Stefanescu, dass Vorfälle wie jener in Crevedia symptomatisch für das gesellschaftspolitische Klima in Rumänien seien, wo „Staatsinstitutionen durch Korruption, Politisierung, Parteiintrigen, Nepotismus, Inkompetenz und Gleichgültigkeit an der angemessenen und professionellen Ausübung ihrer Arbeit behindert werden“.
Hybride Bedrohungen könnten Energiesicherheit untergraben
Zweitens sind Bulgarien und Rumänien hybriden Bedrohungen ausgesetzt. Insbesondere Russland wird vorgeworfen, die Sicherheitsinfrastrukturen beider Länder ebendiesen auszusetzen. Auch hier zeigt sich Bulgarien deutlich vulnerabler als sein nördlicher Nachbar.
Russland besaß auch nach der Invasion der Ukraine Anteil an kritischer Infrastruktur in Bulgarien und war für lange Zeit der größte Exporteur von Öl und Gas dorthin. Beispielsweise gehörte dem russischen Mineralölkonzern Lukoil die Öl- und Ölverarbeitungsraffinerie Lukoil Neftochim Burgas am Schwarzen Meer. Im November 2025 haben bulgarische Behörden jedoch beschlossen, die Kontrolle an der Raffinerie zu übernehmen, primär um US-Sanktionen zu entgehen, aber auch um die Energiediversifizierung voranzutreiben.
Kristina Tsabala, Forscherin der Organisation Active Politics, charakterisierte die Raffinerie in einem Gastbeitrag für das in Polen ansässige College of Eastern Europe als „trojanisches Pferd“ für russische Einflussnahme auf EU- und Nato-Politik. Sie argumentierte, dass Russland über klientelistische Netzwerke und politische Fragmentierung, befeuert durch stark ausgeprägte öffentliche Unzufriedenheit, Einfluss auf die politische Ausrichtung des Landes genommen hatte.
Prorussische Akteure hätten demnach über gemeinsame historische und kulturelle Werte (orthodoxes Christentum, slawische Identität) und postkommunistische Nostalgie verfügt, obgleich Russlands Beliebtheit in Bulgarien nach dessen Invasion der Ukraine rapide gesunken ist. Tsabala verweist auf eine Umfrage, laut der 20 Prozent aller Befragten ein positives Bild vom russischen Präsidenten Wladimir Putin hätten und 52 Prozent einen Mangel an Vertrauen in Russland.
Rumänien zeigte sich zwar insgesamt resilienter als Bulgarien, offenbarte sich jedoch auch in Teilen als strategisch verwundbar. In der rumänischen Verteidigungsstrategie 2025–2030 wird darauf verwiesen, dass Rumänien die Beziehungen mit Verbündeten entlang des Schwarzen Meeres vertiefen müsste, um die Offshore-Gasprojekte zu verteidigen.
Präsident Nicușor Dan gab der Präsentation der Verteidigungsstrategie am 12. November 2025 zu Protokoll, dass „Russlands Militärmanöver, seine Aggressionen gegen die Ukraine und, vor allem seit 2014, die starke Militarisierung auf der Krim-Halbinsel die Sicherheit der Schwarzmeerregion bedroht, durch welche die Sicherheit der Schifffahrt und die Nutzung von Energieressourcen gefährdet werden“.
Rumänien war seit dem Beginn der russischen Invasion der Ukraine Luftraumverletzungen durch russische Drohnen ausgesetzt, und der Krieg im Nachbarland hat zudem die Handelsrouten im Schwarzen Meer stark beeinträchtigt.
Neue Abhängigkeiten möglich
Obgleich die Einfuhren aus Russland drastisch reduziert wurden oder in Zukunft gänzlich gestoppt werden sollen, besteht die grundlegende Gefahr, dass sich neue Abhängigkeiten, speziell von Flüssigerdgas, bilden können. Jüngsten Daten zufolge dominieren Gasimporte aus Norwegen und den USA, obgleich die EU im Rahmen ihrer Diversifizierungsstrategie bereits eine Vielzahl an Energiepartnerschaften abgeschlossen hat, beispielsweise mit Katar, Aserbaidschan und Algerien.
Grafik: BLZ. Quelle: ECFR, auf Basis von Bruegel-Daten (ENTSOG, GIE und Bloomberg)
Für Szymon Kardas, Senior Policy Fellow am European Council on Foreign Relations, besteht jedoch kein Grund zur Sorge, da sich die Gaszufuhren insgesamt verteilt haben und nicht primär auf einen Zulieferer ausgerichtet sind.
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Gleichzeitig empfiehlt er jedoch, eine transparente Datenbank zu etablieren, um die Importe zu verfolgen, wodurch eventuelle Abhängigkeiten erfasst werden können und entsprechend Abhilfe durch weitere Diversifizierung geleistet werden kann. Dies ist vor allem für den Vertikalen Korridor entscheidend, von wo aus Gaseinfuhren in Südosteuropa verteilt werden. Dies schließt auch Partnerschaften und Zusammenarbeit zwischen der EU und Nicht-EU-Mitgliedern im Balkan und in Osteuropa mit ein.
Können Bulgarien und Rumänien ihre Rolle stärken?
Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine stand sowohl Bulgariens als auch Rumäniens Außenpolitik vor großen Herausforderungen und Veränderungen. Beide sind über die Jahre hinweg resilienter geworden und haben sich den Gegebenheiten strategisch angepasst.
Trotz der andauernden politischen Führungskrise und konstant hohen Korruptionsindexwerten hat sich Bulgarien schrittweise aus der russischen Umklammerung gelöst. Lukoil wurde die Kontrolle über die Öl- und Ölverarbeitungsraffinerie in Burgas entzogen, und das Land beteiligt sich aktiv an der Diversifizierungsstrategie der EU.
Auch Rumänien unterstreicht seine energiepolitischen Ambitionen mit einem gesteigerten politischen Engagement und der angestrebten Inbetriebnahme von Neptun Deep im Jahr 2027 sowie weiteren sicherheitspolitischen Arrangements gegenüber Moldau, der Ukraine und der weiteren Schwarzmeerregion.
Trotz der endemischen Korruption im Energiesektor und der noch immer häufig anzutreffenden Misswirtschaft in beiden Ländern bietet der Vertikale Korridor die Möglichkeit, ihr energiepolitisches Potenzial vollends zu entfalten. Entscheidend hierbei ist der politische Wille, der die Bedingungen dafür schaffen muss, die Korruption zu bekämpfen, die erforderlichen Regularien konsequent umzusetzen und die Zusammenarbeit mit Partnerländern zu vertiefen.
Zum Autor: Maximilian Ohle ist Experte für chinesisch-russische Beziehungen, russische und chinesische Außenpolitik sowie internationale Sicherheit mit besonderem Schwerpunkt auf dem postsowjetischen Raum sowie Ost- und Südostasien.
