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Rolltreppen-Blamage am Hauptbahnhof: In Berlin funktioniert mal wieder nichts

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24.02.2026

42 von 54 Rolltreppen am Berliner Hauptbahnhof standen in der vergangenen Woche zeitweise still. Wer darüber staunt, hat offenbar nicht genau hingesehen. Denn der Ausfall ist kein punktuelles Problem der Technik, sondern symptomatisch für das Dauerversagen der Deutschen Bahn, des größten Staatskonzerns des Landes.

Irgendwas fällt aus, kommt zu spät, funktioniert nicht

Die Deutsche Bahn verweist auf mögliche Getriebeschäden bei einem bestimmten Rolltreppentyp und betont, man habe baugleiche Anlagen aus Sicherheitsgründen vorsorglich außer Betrieb genommen. Das ist verantwortungsvoll, aber wenn man ehrlich ist, interessieren einen die ewigen Begründungen der Bahn auch nur noch am Rande. Irgendwas fällt aus, kommt zu spät, funktioniert nicht, wird nicht fertig – man ist doch nur noch resigniert, wenn es um die Dysfunktionalität des Transportunternehmens DB geht.

Der Berliner Hauptbahnhof ist kein x-beliebiger Bahnhof in der Provinz. Er ist ein bedeutender Verkehrsknoten mit Hunderttausenden Reisenden pro Tag. Rolltreppen sind hier kein Komfortmerkmal, sondern tragende Infrastruktur. Fällt ein Großteil von ihnen aus, geraten ganze Wegeketten ins Stocken, Anschlüsse werden riskanter, Ströme verdichten sich. Menschen erreichen ihr Ziel nur mit Verspätung – die zu der alltäglichen Verspätung der Bahn noch hinzugerechnet werden muss. Was also erst einmal nach Bagatelle klingt, zieht einen ganzen Schwanz an finanziellen Konsequenzen nach sich.

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Besonders betroffen sind aber Menschen, die ohnehin schon eingeschränkt sind in ihrer Mobilität, namentlich ältere Reisende, Familien mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck und Menschen mit Handicap. Barrierefreiheit erweist sich in solchen Momenten als Lackmustest und als ein erschreckend fragiles Versprechen.

Dass binnen weniger Tage bundesweit rund 130 Anlagen desselben Typs betroffen waren, zeigt: Hier ist kein doofer Zufall mehr am Werk. Die Ausfälle sind systemimmanent. Wenn die Grundpfeiler einer Infrastruktur ausfallen oder nur noch mangelhaft gewartet werden, dann genügt ein technischer Defekt wie der der ausgefallenen Rolltreppen, um ein ganzes System ins Wanken zu bringen.

Der Hauptbahnhof fällt in die Zuständigkeit der Deutschen Bahn. Und wer die Entwicklungen der vergangenen Jahre verfolgt hat, weiß, dass Dysfunktionalität, Personalmangel, Investitionsstau und Überlastung sich längst nicht mehr nur auf Schienen, Stellwerke und verspätete Züge beschränken. Sie betreffen das Gesamtsystem – bis in die teils auch maroden Gebäude, Aufzüge und Rolltreppen. Der gegenwärtige Stillstand fügt sich nahtlos ein in das Bild einer Infrastruktur, die vielerorts auf Verschleiß gefahren wurde.

Es geht um mehr als um Rolltreppen am HBF

Man kann das vorsorgliche Abschalten als Beleg einer funktionierenden Sicherheitskultur lesen. Vielleicht ist es das auch. Aber es wirft zugleich die Frage auf, warum Risiken dieser Größenordnung offenbar erst dann sichtbar werden, wenn Anlagen abrupt stehen bleiben.

Das allerdings fragt man sich bei der DB schon seit Jahren. Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Bahn ein Symptom für ein größeres Problem in Deutschland ist. Wer Stillstand als Normalität akzeptiert, senkt den Anspruch an ein System, das für Millionen Menschen täglich funktionieren muss.

Genau darin liegt das eigentliche Risiko, das den wirtschaftlichen Niedergang dieses Landes beschleunigt. Es geht sicherlich um mehr als um ein paar defekte Rolltreppen.


© Berliner Zeitung