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Iran-Krieg: Diese kleine Insel könnte für Trump zur Geheimwaffe werden

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Auch in der zweiten Woche des amerikanisch-israelischen Nahost-Kriegs nehmen die militärischen Angriffe nicht ab. Ganz im Gegenteil: Die Vereinigten Staaten geben gemeinsam mit Israel nicht nach, „bis der Feind vollständig und endgültig besiegt“ sei. So solle es am Dienstag zum heftigsten Tag von Angriffen im Iran kommen, sagte Verteidigungsminister Peter Hegseth auf einer Pressekonferenz.

Diese rhetorische Eskalation traf auf einen Ölmarkt, der bereits unter extremer Spannung stand. Zuvor hatte Donald Trumps überraschende Aussage, der Krieg sei „früher als geplant vorbei“, die seit Kriegsausbruch exorbitant in die Höhe eilenden Ölpreise (bis zu 120 US-Dollar) zwar kurzzeitig nach unten korrigiert, doch die neue Angriffswelle versetzte die Weltwirtschaft erneut in Schockstarre.

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Die enorme Volatilität spiegelt dabei die Besorgnis vor einem physischen Versorgungsstopp wider. Der aktuelle Konflikt hält die Öltransporte weltweit in Atem: Amin Nasser, Präsident und CEO von Saudi Aramco, warnte eindringlich, dass eine anhaltende Schließung der Straße von Hormus „katastrophale Konsequenzen“ für die globalen Ölmärkte hätte.

Diese Einschätzung wird durch aktuelle Berichte von J.P. Morgan gestützt. Da der Energiehandel durch dieses Nadelöhr allein 20 bis 30 Prozent des weltweiten Volumens ausmacht, würde bereits ein Ausfall von einem Fünftel dieses Angebots ausreichen, um den Brent-Preis nachhaltig über der 100-Dollar-Marke zu halten.

Kharg Island – die wirtschaftliche Schlagader Irans

Doch es könnte ein Vehikel geben, das den US-Interessen unmittelbar zugutekommt: die Insel Kharg Island. Nach Angaben von J.P. Morgan werden über dieses Terminal rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Mit einer Fläche von etwa 20 Quadratkilometern ist die Insel in etwa so groß wie der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Für die Mullahs ist Kharg Island die wirtschaftliche Schlagader der Islamischen Republik. Würden amerikanische Streitkräfte die Insel besetzen, könnten sie Teheran faktisch den Geldhahn zudrehen.

Trump wäre jedoch nicht der erste Präsident, der mit diesem Schachzug spielt. Bereits 1979, während der Islamischen Revolution und der Geiselnahme in der US-Botschaft, erwog Präsident Jimmy Carter, die Insel als Druckmittel gegen die Regierung zu besetzen, sah jedoch letztlich davon ab.

Aktuell geht die Strategie des Weißen Hauses jedoch über eine reine Blockade hinaus. Trump erklärte jüngst, er denke darüber nach, die Straße von Hormus „zu übernehmen“, damit diese für den Welthandel offen bleibt. Die Meerenge ist die einzige Route zum offenen Ozean für die Ölproduzenten am Golf.

Die Reaktion aus Teheran ließ nicht lange auf sich warten: Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) stellte europäischen und arabischen Staaten eine freie Durchfahrt in Aussicht – jedoch unter einer harten Bedingung. Wie der iranische Staatssender IRIB berichtete, müssten die betreffenden Länder zuvor die Botschafter der USA und Israels ausweisen.

Sprengstoff für Trumps MAGA-Camp

Für eine eventuelle Besatzung von Kharg Island oder der Seestraße müsste Trump allerdings Truppen entsenden. Rachel Tausendfreund, Senior Research Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), sieht in diesem Szenario eine Gefahr für das ohnehin gespaltene MAGA-Lager. Eine Übernahme der Kontrolle wäre eine erhebliche Eskalation und würde eine dauerhafte Truppenpräsenz erfordern – beides ist innenpolitisch unpopulär.

„Zwar mögen Hardliner darauf drängen, dass Trump eine maximalistische Strategie verfolgt, um den Iran grundlegend und permanent zu schwächen, und Trump zeigte sich diesen Falken-Positionen gegenüber durchaus empfänglich – ich glaube jedoch nicht, dass er einem solchen Kurs wirklich verpflichtet ist“, sagte sie der Berliner Zeitung.


© Berliner Zeitung