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Zwischen Pilates und Matcha Latte: Ist das Leben nur noch Performance?

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07.04.2026

Ich sitze bei strahlendem Sonnenschein im Straßencafé. Vor mir steht ein dampfender Amerikano in einer weißen Keramiktasse. Auf meiner Nase sitzt eine Designer-Sonnenbrille aus den 2000ern, die ich zu einem Schnäppchenpreis auf einer Secondhand-Plattform gekauft habe. In meinen Händen ein Buch, das ich auf Anraten diverser Book-Toker käuflich erworben habe. Vielleicht stecken in meinen Ohren weiße Kabelkopfhörer, aus ihnen tönt „Everywhere“ von Fleetwood Mac.

So oder so ähnlich sieht mein Traumszenario für meine freien Tage aus. Und so oder so ähnlich hat es sich schon oft zugetragen. In den vergangenen Monaten hat sich jedoch langsam, aber sicher ein seltsames Gefühl eingeschlichen, das meiner Buchlektüre einen bitteren Beigeschmack verleiht, der nicht vom Kaffee stammt: „Das wirkt total performativ, was ich hier tue!“

Mit dem Stichwort „performativ“ werden Menschen als vermeintlich unauthentisch entlarvt

Performativ – einer jener inflationär genutzten Begriffe des Internetzeitalters. Das Wort beschreibt den Akt, eine Tätigkeit rein für die öffentliche Wahrnehmung oder das Posten im Internet auszuüben. Mit diesem einen Wort, das dieser Tage allem und jedem im Internet um die Ohren gehauen wird, werden Menschen vermeintlich als falsch, fake, unauthentisch entlarvt. An erster Stelle wären da die „Performative Males“ zu nennen – jene Männer, die dem Klischee nach etwa mit dem Feminismus-Sachbuch aus dem Spiegel-Bestseller-Regal in der Hand, Vintage-Loafern und Nagellack in der Bahn sitzen. All das tun sie, um von potenziellen Partnerinnen als Vorzeigefeministen wahrgenommen zu werden – doch in Wahrheit lesen sie das Buch schon seit........

© Berliner Zeitung