Der Weltmeister steht fest: Welche Auswärtstrikots bei der WM am meisten glänzen
Auswärtstrikots waren schon immer die heimlichen Stars großer Turniere – fernab von traditionsverliebten Heimfarben darf hier herumgespielt, übertrieben und experimentiert werden. Während Weiß, Rot oder Blau oft festgeschrieben sind, wird das zweite Trikot zur Leinwand: mutiger, modischer – und manchmal auch schöner.
In den vergangenen Jahren haben sich Fußballtrikots zudem ohnehin vom reinen Fanartikel zum Style-Piece entwickelt. Modetrends wie „Blokecore“ oder „Bloquette“ beschreiben genau das: Inspiriert von der britischen Fankultur der 80er- und 90er-Jahre wird Retro-Sportswear mit Jeans oder Rock und Ballerinas kombiniert. Trikots tauchen im Alltag auf, auf Partys, in Cafés – getragen von Menschen, denen Abseitsregeln nicht egaler sein könnten.
Hier treffen Fußball und Fashion aufeinander
Am vergangenen Freitag hat Adidas gleich eine ganze Ladung neuer Auswärtstrikots für die kommende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko präsentiert – und sie greifen mit Polokragen und V-Ausschnitt nicht nur klar eine Retro-Ästhetik auf, sondern sind extravaganter denn je. Das verlangt nach einem modischen Ranking. Wir haben die Designs genauer unter die Lupe genommen. Spoiler: Deutschland landet zumindest modisch nicht unbedingt auf dem Siegertreppchen.
Das Trikot von Curaçao ist gute Laune zum Anziehen: Der zartgelbe, strukturierte Stoff trifft auf dunkelblaue Nummerierung und Streifen in kräftigen Sorbet-Farben – abgerundet von einem klassischen V-Neck, der dem Ganzen eine charmante Retro-Note verleiht. Gute Laune hatte sicherlich auch die Nationalmannschaft von Curaçao, denn sie hat Geschichte geschrieben: Erstmals überhaupt konnte sich die kleine Karibiknation für eine Weltmeisterschaft qualifizieren.
Passend zu diesem sportlichen Meilenstein bekam auch das Trikot ein Upgrade: Adidas hat dem Team – entgegen ursprünglichen Plänen mit Standard-Teamwear – ein maßgeschneidertes Design spendiert. Ein modischer Senkrechtstart, den wir mit dem ersten Platz belohnen. Und plötzlich wird Curaçao auch abseits des Rasens zu einem ernst zu nehmenden Gegner für Deutschland – die beiden Teams treffen in der Gruppenphase am 14. Juni aufeinander.
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2. Platz: Argentinien
Das Trikot von Argentinien zeigt sich modisch besonders mutig: Der barock anmutende Print, der entfernt an Versace erinnert, hat eine für den Fußball eher untypische Opulenz. In Schwarz und Dunkelblau gehalten, wird diese Extravaganz jedoch geschickt eingefangen und erhält einen sportlichen Anstrich.Sicherlich nichts für Traditionalisten – doch rein modisch geht das Spiel aus unserer Perspektive auf. Aus Kundensicht dürfte das Design zu den begehrtesten des Turniers zählen. Diesen modischen Wagemut belohnen wir mit dem zweiten Platz.
Wales bringt Retro-Charme pur auf den Platz: Das Trikot erscheint in nostalgischem Off-White und überrascht mit einem Detail, das man erst auf den zweiten Blick entdeckt – ein roter Drache, subtil in Pixeln angedeutet, der die gesamte Front ziert und auf die walisische Flagge anspielt. Ergänzt wird das Design durch Streifen in Rot und Grün, die ebenfalls die Flaggenfarben aufgreifen. Ein Trikot mit Liebe zum Detail, das dennoch nicht überladen wirkt und echten Retro-Charme ausstrahlt – dafür bekommt es von uns den dritten Platz.
Ebenfalls retro: Das Auswärtstrikot von Südafrika überzeugt mit Polokragen und feinem Streifendesign in leuchtendem Smaragdgrün, aufgepeppt mit goldgelben Details. Diese Farben sind klassische Zeichen königlicher Pracht, oft mit Macht, Reichtum und dem Smaragd als „Edelstein der Könige“ assoziiert. Genau diese royale, hochwertige Ausstrahlung bringt das Trikot auf den Platz. Deshalb landet dieses stylische Retro-Teil in unserem Ranking auf dem vierten Platz.
Chile hat es zwar nicht geschafft, sich für die WM zu qualifizieren – fehlenden Wagemut kann man dem Team aber definitiv nicht vorwerfen, zumindest nicht in Sachen Auswärtstrikot. Das ist über und über mit pinken Blüten verziert und greift ein einzigartiges Naturphänomen des Landes auf: Nach einer intensiven Regenzeit verwandelt sich die Wüste für kurze Zeit in ein buntes Blütenmeer. Schade, dass wir das Trikot nicht im WM-Einsatz sehen werden – umso mehr hat sich dieses mutige, farbenfrohe Design unseren fünften Platz verdient.
Das Auswärtstrikot von Schweden versprüht mit seinem V-Neck echtes Nostalgie-Flair und greift die Nationalfarben schön auf: leuchtendes Royalblau trifft auf Vanillegelb. Ein verspieltes, aber dezentes geometrisches Muster überzieht das Trikot und sorgt für einen harmonischen Look. Mit diesem Design kann man kaum etwas falsch machen – auf dem Platz genauso wie im Alltag. Stilistisch sicher, vielleicht ein bisschen vorhersehbar, sichert es sich den sechsten Platz in unserem Ranking.
Das Auswärtstrikot von Kolumbien ist laut Adidas eine Hommage an die kolumbianische Artenvielfalt und vereint die hellen Farben der Karibik mit den dunkleren Tönen des Pazifiks. Farblich geht das Spiel auf: Ruhige Aquatöne treffen auf knalliges Neongelb und sorgen für einen lebendigen, sommerlichen Look. Das hektische geometrische Muster sorgt allerdings für leichtes Augenflimmern – in Sachen Mode gerät Kolumbien damit ein wenig ins Taumeln. Für diesen trotz allem mutigen Balanceakt gibt es von uns den siebten Platz.
8. Platz: Deutschland
Nachdem Deutschland vergangenes Jahr mit einem pinken Auswärtstrikot für Aufsehen sorgte, wollte man dieses Jahr wohl etwas dezenter auftreten und entschied sich für klassisches Dunkelblau mit türkisblauen Streifen. Auf der Adidas-Website wird das Trikot als Hommage an legendäre Momente beschrieben – und tatsächlich erinnert es optisch an die 1990er-Ausgabe des deutschen Auswärtstrikots, das beim damaligen Weltmeisterschaftssieg von Westdeutschland in Italien getragen wurde. Eine modische Referenz, die die sportliche Messlatte hoch legt. Leider wirkt das diesjährige Trikot durch das Punktedesign aber auch ein wenig wie ein Pyjama – hoffentlich zeigt sich die Nationalelf in diesem Jahr energetischer, als das Trikot vermuten lässt. Für uns gibt es dafür den achten Platz.
Nike setzt beim Auswärtstrikot der USA weniger auf Nostalgie als auf hochmodernes Design und Technik. Die Mesh-Optik basiert auf der speziellen Kühltechnologie Aero-FIT, die die Spieler selbst unter den voraussichtlich extremen Bedingungen des Sommers frisch halten soll – in diesem mattschwarzen Trikot wird das auch nötig sein. Der unentschlossene Rundhalsausschnitt, der seitlich zunächst wie ein V-Ausschnitt wirkt, trägt nicht gerade zur Eleganz bei. Einzig das dezente Sternenmuster verleiht dem Trikot etwas Charme und sichert ihm den neunten Platz in unserem modischen Ranking.
Auch bei Brasilien legt Nike keine Glanzleistung hin. Das seltsame geometrische Muster wirkt, als hätte man den Spielern die massiven Schweißflecken schon einmal vorsorglich aufgemalt. Das kann selbst die ausgeklügelte Kühltechnik nicht mehr retten. Mit dem Nike-Jordan-Logo, der Silhouette der Basketballlegende Michael Jordan, werden stümperhaft zwei Sportwelten vermischt – ein Basketballsymbol auf einem Fußballtrikot wirkt schlicht unpassend. Bei so vielen modischen Fehltritten kann man nur hoffen, dass sich die Spieler davon auf dem Platz nicht fehlleiten lassen. Für uns bedeutet das den zehnten Platz im Ranking.
