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BSW schließt Koalition mit CDU und AfD aus – Dittrich setzt auf riskante Strategie

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25.02.2026

John Lucas Dittrich, Co-Landesvorsitzender des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) in Sachsen-Anhalt, gibt sich vor der Landtagswahl im September zuversichtlich. „Die Chancen stehen gut, denn die aktuelle politische Gemengelage gibt nicht viel anderes her", sagte Dittrich im Interview mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ). Laut aktuellen Umfragen liegt das BSW im Land bei rund sechs Prozent – ein Wert, der den Einzug in den Landtag sichern würde.

Die strategische Ausgangsposition seiner Partei beschreibt Dittrich als bewusst eigenständig. Er rechnet mit einem Lagerwahlkampf zwischen dem „demokratischen Block" von CDU bis Linke und der in Sachsen-Anhalt besonders starken AfD. Das BSW wolle sich keinem dieser Lager zuordnen.

Bedeutung der Friedenspolitik

Das zentrale Abgrenzungsmerkmal gegenüber der AfD sieht er in der Friedenspolitik: „Das BSW ist friedenspolitisch authentischer als die transatlantische AfD", sagte er der OAZ. Die AfD versage in dieser Frage, wie auf Bundesebene zu beobachten sei, wo führende Politiker sich „stramm hinter Trump scharen beziehungsweise dem aggressiven und völkerrechtswidrigen außenpolitischen Kurs Washingtons".

Eine Koalitionsbeteiligung zur Verhinderung der AfD schließt Dittrich kategorisch aus. „Das BSW wird sich an keiner Anti-AfD-Koalition mit den Altparteien beteiligen. Die Brandmauer ist ohnehin gescheitert, macht die AfD nur stärker", sagte er. Parteichefin Sahra Wagenknecht habe die Linie klar formuliert: Das BSW werde weder CDU-Kandidat Sven Schulze noch AfD-Kandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten mitwählen. „Unser Platz ist zwischen allen Stühlen", so Dittrich.

Den Bruch mit seiner früheren Partei, der Linken, begründet der 2004 in Magdeburg geborene Politiker inhaltlich. „Bei den Linken verspürte ich zuletzt eine starke Ignoranz, sich mit sozialpolitischen Fragen ernsthaft zu beschäftigen, dafür eher mit identitätspolitischen. Das war für mich der Bruchpunkt", sagte er der OAZ. Reue empfinde er keine. Einen Unterschied sieht Dittrich auch im Wählermilieu: Während in der Linken Akademiker und frühere SED- und PDS-Mitglieder dominierten, spreche das BSW einen breiteren Querschnitt an – darunter deutlich mehr Menschen aus dem ländlichen Raum.

Trotz seines Jahrgangs 2004 bezeichnet sich Dittrich als Ostdeutschen: „In dem Moment, wo man sich mit seiner Heimat beschäftigt, mit Sachsen-Anhalt, mit dem Standort und dessen Wirtschaftshistorie, fällt einem schon das DDR-, ja das Ostspezifische auf, was auch die DDR überlebt hat", sagte er im Gespräch mit der OAZ.

Die OAZ gehört wie die Berliner Zeitung zur Ostdeutschen Medienholding GmbH.


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