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Blockade und Gegenblockade in Hormus: Hat der Weltkrieg um das Öl begonnen?

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13.04.2026

Ukraine, Gaza, Iran, Taiwan – die Kriege und Krisen nehmen zu. Und viele fragen sich: Wann kippt die Lage, wann kommt die Eskalation? Die Ankündigung der US-Regierung, eine eigene Seeblockade der Straße von Hormus zu errichten, ist ein solcher Moment. Denn damit verschiebt sich der Charakter des gesamten Nahostkonflikts.

Was im Oktober 2023 als Israels Vergeltungsschlag gegen die Hamas begann, sich zum neoimperialistischen Expansions- und Angriffskrieg gegen Gaza und den Libanon auswuchs und seit Februar 2026 in einen offenen Krieg der USA und Israels gegen den Iran mündete, wird nun zu etwas weitaus Größerem. Es wird zu einem Krieg um die Kontrolle über die globalen Energieströme – und damit um die Architektur der Weltordnung selbst.

Die Meerenge als Waffe

Die Straße von Hormus ist der Flaschenhals der Weltwirtschaft. Rund 20 Prozent des globalen Öls und erhebliche Mengen Flüssig-Erdgas passieren diese kaum mehr als 50 Kilometer schmale Wasserstraße mit Fahrrinnen von nur gut drei Kilometern zwischen Iran und Oman. Seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar 2026 ist die Meerenge faktisch geschlossen – allerdings nicht vollständig. Denn Teheran hat ein selektives Regime errichtet: Iranisches Öl fließt weiterhin, nur eben nicht mehr an alle.

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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bis Ende 2025 importierte China rund 1,38 Millionen Barrel iranisches Rohöl pro Tag – etwa 13 Prozent seiner gesamten Rohölimporte und gleichzeitig 80 bis 90 Prozent der iranischen Ölexporte. Dieses Öl wurde häufig umetikettiert, als malaysisches Rohöl deklariert und über kleine private „Teapot“-Raffinerien abgewickelt, bezahlt in Renminbi über Chinas eigenes Zahlungssystem CIPS, um das westlich kontrollierte Swift-Netzwerk zu umgehen.

Laut dem Center on Global Energy Policy der Columbia University lagerten zuletzt mehr als 46 Millionen Barrel iranisches Öl in schwimmenden Speichern in Asien sowie in Zolllagern in den chinesischen Häfen Dalian und Zhoushan, wo die National Iranian Oil Company Tankanlagen mietet.

Iran hat die Meerenge also nicht einfach gesperrt – es hat sie zur geopolitischen Waffe umfunktioniert. Berichte deuten darauf hin, dass chinesisch beflaggte Schiffe offenbar weiterhin die Passage sichern konnten, während westliche Tanker blockiert blieben. Teheran entschied, wer passieren durfte und wer nicht. Es ist eine Blockade mit Freundschaftsklausel.

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Genau hier setzt die........

© Berliner Zeitung