Wie Jeffrey Epstein und Steve Bannon Papst Franziskus „zu Fall“ bringen wollten
Die Epstein-Akten führen bis in den Vatikan. Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon tauschten sich über zahlreiche Themen aus – darunter auch darüber, wie Papst Franziskus „zu Fall gebracht“ werden könne.
Öffentlich propagierte Bannon eine „souveränistische“ Vision, eine Spielart des Populismus, die die Autonomie der Nationalstaaten betont. Hinter den Kulissen jedoch diskutierte der frühere Trump-Stratege mit Epstein über politische Strategien in Europa. Franziskus galt ihm dabei als Hindernis. „Werde Franziskus zu Fall bringen“, schrieb Bannon im Juni 2019 an Epstein. „Die Clintons, Xi, Franziskus, EU – komm schon, Bruder.“
Papst Franziskus als Gegner populistischer Bewegungen
Papst Franziskus hatte populistische Bewegungen wiederholt kritisiert. Gegenüber The Spectator warf Bannon ihm vor, sich auf die Seite „globalistischer Eliten“ zu stellen. Laut einer Recherche von Source Material soll Bannon zudem Matteo Salvini, den heutigen italienischen Vize-Ministerpräsidenten, aufgefordert haben, den Papst „anzugreifen“. Salvini ist für die demonstrative Nutzung christlicher Symbolik bekannt.
Die Dokumente verweisen außerdem auf Epsteins Bemühungen, über Bannon Kontakte zu europäischen rechtspopulistischen Netzwerken zu knüpfen. In einer internen Nachricht schrieb Bannon: „Ich bin darauf fokussiert, für [Marine] Le Pen und [Matteo] Salvini Gelder zu sammeln.“ Konkrete Belege für tatsächliche Finanzierungen enthalten die Akten jedoch nicht.
In weiteren Nachrichten aus dem Jahr 2019 erklärte Bannon, er sei als Berater für mehrere europäische Parteien und Politiker tätig gewesen, darunter der Front National, Salvinis Lega, die AfD, Viktor Orbán sowie Nigel Farage. Als strategisches Ziel nannte er die Europawahl und schrieb: „Wir können von 92 auf 200 Mandate kommen und damit jede Gesetzgebung zu Kryptowährungen oder anderen Themen blockieren.“
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Eine besondere Rolle spielte zudem Frédéric Martels Buch „In the Closet of the Vatican“ (2019). Bannon betrachtete das Werk offenbar als mögliches Mittel, um Franziskus politisch unter Druck zu setzen, und brachte gegenüber Epstein die Idee einer Verfilmung ins Spiel. Der französische Journalist Martel lehnte dies nach eigener Darstellung ab und verwies auf bereits vergebene Filmrechte. Zugleich äußerte er gegenüber CNN die Einschätzung, Bannon habe das Buch politisch „instrumentalisieren“ wollen.
Die Nachrichten deuten auf einen strategischen Austausch über Deutungen und mediale Hebel hin. Auf einen von Epstein übermittelten Artikel mit der Überschrift „Papst Franziskus oder Steve Bannon? Katholiken müssen wählen“ reagierte Bannon knapp mit „eine leichte Wahl“. Als Bannon später einen Beitrag über die vatikanische Kritik am „populistischen Nationalismus“ weiterleitete, antwortete Epstein mit einem Zitat aus Miltons „Paradise Lost“: „Besser, in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen.“
Epsteins makabrer Scherz über Franziskus
In einer weiteren E-Mail an seinen Bruder Mark scherzte Epstein darüber, Papst Franziskus während dessen USA-Besuchs 2015 zu einer „Massage“ einzuladen. Drei Jahre später schrieb er Bannon, er versuche, „eine Reise für den Papst in den Nahen Osten zu organisieren“, und fügte hinzu: „Schlagzeile – Toleranz.“
Pater Antonio Spadaro, ein Vatikanvertreter und enger Vertrauter von Papst Franziskus, erklärte, Bannons Nachrichten ließen den Versuch erkennen, „spirituelle Autorität mit politischer Macht zu strategischen Zwecken zu verschmelzen“. Franziskus habe eine solche Verknüpfung stets zurückgewiesen. Die Botschaften offenbarten „nicht nur Feindseligkeit gegenüber einem Pontifex, sondern einen tiefergehenden Versuch, den Glauben als Waffe zu instrumentalisieren – genau jener Versuchung, die er zu entschärfen suchte.“
Die Jahre 2018 und 2019 waren von intensiver Opposition gegen Franziskus geprägt. Eine Vatikanuntersuchung entlastete ihn später von Vorwürfen, Missbrauchsfälle unzureichend behandelt zu haben.
