Russland-Verbot und LNG-Knappheit: Europas Gas wird teurer und riskanter
Europas Energieversorgung steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Ende Januar beschloss die EU endgültig, die Einfuhr von Gas aus Russland ab 2027 vollständig zu verbieten. Der Schritt markiert einen grundlegenden Wandel des europäischen Gasmarktes – und könnte teuer und riskant werden.Vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lag der russische Anteil an den EU-Gasimporten noch bei rund 45 Prozent, 2025 waren es nur noch etwa 13 Prozent. Stattdessen setzt Europa zunehmend auf Flüssigerdgas (LNG) – vor allem aus den USA. Der Anteil von LNG an der EU-Gasversorgung stieg von rund 19 Prozent im Jahr 2021 auf mehr als 43 Prozent im vergangenen Jahr. Doch der Umbau hat seinen Preis: US-LNG ist teils deutlich teurer als russisches Pipelinegas. Zugleich zeigen geopolitische Spannungen wie die Iran-Krise, wie anfällig der globale LNG-Handel ist.
Damit stellt sich eine zentrale Frage für Europas Energiepolitik: Wer ersetzt die verbleibenden russischen Gasmengen – und zu welchem Preis? Und: Welche Folgen hat diese Strategie für Mitgliedstaaten wie Deutschland?
Asien kauft Europas LNG weg: Experten warnen vor Gaspreis-Explosion
Straße von Hormus: Iran soll Indien freie Durchfahrt zugesichert haben – erster Tanker erreicht Mumbai
EU importiert noch immer große Gasmengen aus Russland
Ganz verschwunden ist russisches Gas aus Europa noch nicht. Zwar brachen die Pipeline-Lieferungen nach der Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines und infolge der Sanktionen stark ein. Doch über alternative Routen wie die Pipeline TurkStream, die über die Türkei Gas nach Südosteuropa transportiert, fließen weiterhin Mengen nach Europa.
In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sind die EU-Importe über TurkStream im Vergleich zu 2024 sogar gestiegen – von 28,3 auf rund 35,3 Terawattstunden (TWh) Gas. Zudem importieren mehrere EU-Staaten weiterhin russisches Flüssigerdgas (LNG), darunter Frankreich, Spanien und Belgien. Über Umwege gelangt dieses russische Gas weiterhin auch nach Deutschland, obwohl die Bundesregierung stets betont, man sei mittlerweile unabhängig von russischem Gas.
Insgesamt beliefen sich die russischen Gaslieferungen in die EU 2025 noch auf rund 38 Milliarden Kubikmeter. Das ist zwar deutlich weniger als 150 Milliarden Kubikmeter, die die EU noch 2021 aus Russland beschafft hat. Trotzdem: Diese verbleibenden 38 Milliarden Kubikmeter muss Europa in den kommenden Jahren vollständig ersetzen.
Wer diese Mengen künftig liefern soll, ist noch offen. Größter Gaslieferant für die EU ist derzeit Norwegen mit einem........
