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Die Rückkehr des Adels in den Osten: Von Ribbeck, von Arnim und die Frage nach dem Eigentum

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18.04.2026

Friedrich-Carl von Ribbeck sitzt an einem massiven alten Holztisch, dem einzigen Möbelstück, das noch original aus alten Zeiten stammt. „Können Sie vielleicht einen Gegenstand in die Hand nehmen, mit dem Sie etwas verbinden?“, fragt ihn der Fotograf. „Nein, da gibt es nichts“, entgegnet Ribbeck etwas brüsk.Fast jeder kennt wohl das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane. Der Herr war keine literarische Figur, er lebte wirklich. Und der letzte aus dem Geschlecht der Ribbecks, Friedrich-Carl von Ribbeck, ist sein Ur-Urenkel. Nach dem Mauerfall ist er in „sein“ Dorf zurückgekehrt. Ribbeck ist jetzt 86 Jahre alt und wohnt allein in einem geräumigen Haus, das nur 120 Meter vom Schloss entfernt ist. Von seinem Wohnzimmerfenster blickt er darauf.

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland...“ – der berühmte Birnbaum aus dem Gedicht existiert übrigens nicht mehr. Er ist 1911 einem Sturm zum Opfer gefallen. In den 1970er-Jahren pflanzte man neben der Kirche einen neuen Baum, der jedoch kaum trug. Deshalb setzte man im Jahr 2000 erneut einen Birnbaum.

Als der Adel von den Nazis enteignet wurde

„Während der DDR-Zeit lebte ich in Düsseldorf und war angestellt bei Thyssen, wo ich im Marketing tätig war“, erzählt Ribbeck, der heute nur noch mühsam mit einem Rollator laufen kann. Hin und wieder fuhr er damals nach Ribbeck in die DDR und wurde dort „wie ein Fremder“ angesehen – wobei sich privat jedoch bei manchen eine freundliche Art erkennen ließ. Damals wurde Schloss Ribbeck noch als Altersheim genutzt, später als Heim für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Nach dem Mauerfall dann fühlten sich die Ribbecks – Ribbecks Frau Ute lebt inzwischen in einem Heim für Demenzkranke – von ihrer alten Heimat quasi gerufen.

Schon während der Zeit des Nationalsozialismus geriet die Familie Ribbeck in Konflikt mit dem Regime. Hans Georg Karl Anton von Ribbeck, der monarchistisch gesinnte Gutsherr auf Schloss Ribbeck, verweigerte sich der ideologischen Gleichschaltung und trat weder der SA noch der NSDAP bei.........

© Berliner Zeitung