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Streik in Vivantes-Kliniken: Müssen Krebs-Operationen jetzt verschoben werden?

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23.02.2026

In den Krankenhäusern von Vivantes in Berlin kommt es in dieser Woche zu einem Warnstreik. Verdi ruft die Beschäftigten der Tochterunternehmen auf, von Mittwoch bis Samstagmorgen die Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft fordert, dass die Gehälter der Beschäftigten ab sofort an das Niveau des Tarifvertrags öffentlicher Dienst (TVöD) angepasst werden, der im Mutterkonzern gilt. Die Arbeitgeberseite bietet eine schrittweise Erhöhung bis 2030.Für Patienten könnte der Arbeitskampf zu spürbaren Einschnitten führen. Denn bei der Notdienstvereinbarung für die Streiktage liegen die Vorstellungen zum Teil weit auseinander. Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personalmanagement, hat an diesem Montag auf mögliche Konsequenzen hingewiesen.

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Demnach führe die von Verdi angestrebte Personalstärke in den beiden Zentralstellen von Verdi für die Sterilisation von OP-Equipment dazu, dass Eingriffe bei Krebspatienten verschoben werden müssten. „Allein am Urban-Krankenhaus werden täglich in sechs OPs onkologische Operationen vorgenommen“, sagt Schmidt. Das Kreuzberger Klinikum ist als Zentrum für Prostata- und Brustkrebs zertifiziert. Die Wartezeiten auf einen Termin würden bis zu sechs Wochen betragen, erläutert die Managerin. Eine Verschiebung könne negative Folgen für den Krankheitsverlauf haben, so Schmidt weiter. „Es steht Verdi nicht zu, zu beurteilen, ob ein Patient jetzt operiert wird oder in einigen Wochen.“

Ebenfalls inakzeptabel findet das Vivantes-Management, dass Patientenzimmer wegen des Warnstreiks an zwei Tagen nacheinander nur teilgereinigt werden sollen. Lediglich grobe Verschmutzungen würden beseitigt. Schmidt sagt: „Wir haben momentan Norovirus-Saison. Wenn wir da kein strenges Hygieneregime haben, können sich  die Keime im ganzen Krankenhaus ausbreiten.“

Vivantes will notfalls ein Gericht einschalten

Die Notdienstvereinbarung will Vivantes in der jetzigen Form nicht hinnehmen. Sollte es zu keiner Einigung mit Verdi kommen, würde  man ein Arbeitsgericht anrufen.

Der bisherige Tarifvertrag für die Tochterunternehmen von Vivantes ist Ende 2025 ausgelaufen. Nach bisher zwei Verhandlungsrunden sind die Fronten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhärtet. Die amtierende Berliner Senatskoalition habe den Beschäftigten ein Ende der Zwei-Klassen-Belegschaft und die Rückführung der Vivantes-Töchter in den Konzern versprochen, erklärt Verdi.„Die Geschäftsführung betont, keine Eskalation zu wollen und einen schnellen Abschluss anzustreben“, sagt Benn Brusniak, Verhandlungsführer für Verdi. „Das funktioniert aber nur, wenn wir endlich dazu kommen, das vielfach verkündete Ziel einer Vollanwendung des TVöD umzusetzen und uns über das Wie zu verständigen. Daran hapert es noch gewaltig.“

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Vivantes befindet sich zu 100 Prozent im Besitz des Landes Berlin. Das hat dem Unternehmen angesichts eines Defizits von 120 Millionen Euro einen harten Sanierungskurs verordnet. „Vivantes muss pro Jahr das Unternehmensergebnis um 15 Millionen Euro verbessern“, sagt Dorothea Schmidt.

Laut Arbeitgeberseite verursacht der vorgelegte Kompromiss bereits zusätzliche Kosten von 50 Millionen Euro. „Diese werden nicht automatisch durch die Krankenkassen oder das Land Berlin refinanziert“, sagt die Verhandlungsführerin von Vivantes.In konkreten Zahlen sieht das Angebot der Arbeitgeberseite vor, dass zum Beispiel eine angelernte Reinigungskraft im OP im ersten Jahr 2716,88 Euro brutto erhält. Im sechsten Jahr sind es 2958,33 Euro, im 13. dann 3147,42 Euro. Bei einem Betriebshandwerker mit Abschluss ginge das Gehalt von 3196,13 binnen 13 Jahren hinauf auf 3849,98 Euro.


© Berliner Zeitung