Zahl der Straftaten in Berlin gesunken – aber die Angst-Delikte wurden mehr
Berlins Polizei hat im vergangenen Jahr zwar weniger Kriminalität verzeichnet. Sie registrierte insgesamt 502.743 Straftaten. Das sind 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings bleibt diese Bilanz durchwachsen. Denn Delikte, die das Sicherheitsgefühl der Berliner nachhaltig beeinträchtigen, haben zugenommen.Bei den Rohheitsdelikten, zu denen unter anderem Raub und Körperverletzungen gehören, ging die Zahl leicht zurück: von 81.460 auf 80.541 Fälle. Auch die Zahl der Diebstähle sank – zum Beispiel bei Autodiebstahl um 20,1, bei Fahrraddiebstahl um 16,5 oder bei Taschendiebstahl um 14,6 Prozent. Das kann aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei an der guten Arbeit der Polizei liegen, oder daran, dass die für solche Taten oft verantwortlichen reisenden Banden gerade woanders unterwegs sind.
Der Rückgang der Gesamtzahlen liegt auch daran, dass 20,6 Prozent weniger Drogendelikte registriert wurden. Außerdem gab es einen Rückgang der Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz um 9729 Fälle beziehungsweise um 39,2 Prozent. Das betrifft meist die obligatorischen Anzeigen wegen illegaler Einreise, die wegen der gesunkenen Migration seltener geworden sind. Allerdings hängt die Zahl der Drogen- und ausländerrechtlichen Verstöße stark von der Kontrolltätigkeit der Polizei ab. Wo niemand kontrolliert, wird auch kein Delikt festgestellt.
Massiv gestiegen ist die Zahl einiger Delikte, die in der Regel von den Geschädigten angezeigt werden und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark beeinträchtigen: Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser etwa. Es gab 10.618 Fälle – ein Plus von 24,5 Prozent. 45,8 Prozent der Taten endeten im Versuchsstadium, was vor allem daran liegt, dass Mieter und Eigentümer ihre Türen und Fenster fester verriegeln als früher.
68 Prozent Anstieg bei Anwendung von Schusswaffen
Dass die Zahl der Mordfälle sich fast verdoppelt hat, liegt vor allem an 79 Fällen einer Mordserie, bei der ein Palliativmediziner im Verdacht steht, unter Ausnutzung seines besonderen Vertrauensverhältnisses als Arzt schwer kranke Menschen getötet zu haben. Schon 2024 gingen zehn Fälle dieser Serie in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ein. Der Prozess gegen den Arzt läuft derzeit am Berliner Landgericht.
Stark gestiegen ist auch die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: von 7475 Fällen auf 8652. Seit Jahren steigen die Zahlen und haben sich seit 2016 mehr als verdreifacht. Damals lag die Zahl bei „nur“ 2852 Fällen.
Im vergangenen Jahr wurden zudem 1119 Straftaten mit Schusswaffen registriert. 604-mal wurde mit einer solchen Waffe gedroht und in 515 Fällen geschossen. Das ist ein Anstieg der Schusswaffenanwendungen um 68 Prozent. „Der deutliche Anstieg bei der Schusswaffenkriminalität ist für mich ein klares Warnsignal“, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Mittwoch bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Für illegalen Waffenbesitz und bewaffnete Auseinandersetzungen gilt in Berlin „Null Toleranz“. Das Thema bleibt auch in diesem Jahr aktuell. Erst in der Nacht zum Mittwoch wurden an der Böckhstraße in Kreuzberg wieder zwei Männer durch Schüsse verletzt.
AfD sieht Zahlen als Ergebnis unkontrollierter Migration
Um 5,5 Prozent zugenommen hat auch wieder die Zahl der Messerangriffe, nämlich auf 3599. Auch Drohungen, die die Hälfte der Taten ausmachten, werden als „Messerangriff“ gezählt. Knapp die Hälfte dieser Angriffe wurde in der Öffentlichkeit begangen. Innensenatorin Spranger lobte gleichwohl die drei Messer- und Waffenverbotszonen, die unter ihrer Regie im vergangenen Jahr eingeführt wurden. Dort habe es einen Rückgang von Messerangriffen um Werte zwischen 25 und 45 Prozent gegeben.
78,2 Prozent der Opfer von Messerangriffen waren Männer, 44,4 Prozent waren Ausländer. Der Anteil von Ausländern an den Tatverdächtigen aller Straftaten – mit Ausnahme der ausländerrechtlichen Verstöße – lag im vergangenen Jahr bei 43,3 Prozent. Bei einem Bevölkerungsanteil von 22,5 Prozent sind Menschen ohne deutschen Pass also deutlich überrepräsentiert. Bei Rauschgiftdelikten lag der Anteil der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen bei 51,5 Prozent (Vorjahr: 48,1 Prozent). Diese Zahlen seien kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger unkontrollierter Migrationspolitik, die der Senat bis heute nicht korrigiere, kritisiert die AfD.
Die Gesamt-Aufklärungsquote aller Straftaten, die von allen Bundesländern seit Jahren die niedrigste ist, hat sich noch einmal verschlechtert: von 45,5 auf 44,9 Prozent.
„Polizei muss sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren“
Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität weist die Statistik eine Zunahme rechtsextremer Gewalt um 43 auf 133 Fälle aus. Gewalt durch Linksextremisten stieg um 100 auf 237 Fälle. Im Bereich „ausländische Ideologie“ sank das Gewaltaufkommen von 604 Fällen im Jahr 2024 auf 376 Fälle. Allerdings verdoppelte sich die Zahl der Propagandadelikte auf 993 Fälle.
Bei antisemitischen Straftaten gab es erneut einen Anstieg. 2025 erfasste die Polizei 2268 Fälle. Das bedeutet eine Zunahme um 24,3 Prozent. 1485 dieser Fälle entfielen auf den Phänomenbereich „ausländische Ideologie“ – 446 mehr als im Vorjahr. Den Anstieg führt die Innenverwaltung vor allem auf eine konsequentere Anzeigenaufnahme zurück, sowohl bei Protesten im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt als auch im Alltag und im digitalen Raum.
Stephan Weh, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, äußerte sich zur neuen Statistik kritisch: „Jeder weiß, wie sehr wir mit Blick auf den Personalkörper und die wachsenden, auch politisch gewollten Aufgaben priorisieren müssen, um überhaupt noch Funkwagen und Wachen besetzen zu können. Insofern kann es in den nächsten Jahren auch nur darum gehen, eine echte Debatte über polizeiliche Kernaufgaben zu führen und Grundlagen dafür zu schaffen, dass wir mit technischen Lösungen, auch mit KI, Polizeiarbeit effektivieren können.“
