menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Ski-Mountaineering – wie bitte?

8 0
20.02.2026

Ski-Mountaineering – wie bitte?

An den Olympischen Winterspielen werden jetzt Felle an die Skis montiert und Medaillen eingeheimst. Warum das rein gar nichts mit Ski-Bergsteigen zu tun hat.

Die Teilnehmerinnen des Ski-Moutnaineering am Donnerstag in Bormio.

Eine Goldmedaille mehr! Hut ab vor der Leistung von Marianne Fatton. Bloss: Wofür hat sie Gold gekriegt? Für den Zick-Zack-Lauf entlang von ausgesteckten Holzlatten. Fürs Rennen über eine künstlich angelegte Treppe. Fürs blitzschnelle Verstauen ihrer Felle im Dress (wie eine Känguru-Mutter ihr Baby). Fürs wackelige Abfahren in den Schuhen ohne Halt. Aber sicher nicht fürs Ski-Bergsteigen.

Marianne Fatton (links) erklimmt eine Holztreppe.

Die Bezeichnung «Ski-Mountaineering» für die neue olympische Disziplin ist eine Farce. «Ski-Trailrunning» wäre passend. «Steil-Langlauf» oder «Speed-Skitouring». Kann man machen. Aber das, was wir am Donnerstag in Milano Cortino gesehen haben und was am Samstag um 13.30 Uhr noch als «Mixed Staffel» gezeigt wird, ist das Gegenteil von Ski-Bergsteigen.

Da rennt niemand während lächerlicher drei Minuten ohne Ausrüstung an einem Hang rum. Hätte eine Teilnehmerin die Abschrankung verlassen, weil sie lieber nicht im Pulk hochgestiegen wäre, wäre sie disqualifiziert gewesen. Hätte sich einer die Zeit genommen, um sich unterwegs übers Wetter zu informieren, wäre er auf dem letzten Platz gelandet.

Skitouren sind all das, was ein Wettbewerb nicht ist. Planung der Tour schon Tage im Voraus. Flexible Routenwahl. Eine Schokolade und eine Jacke mehr mitnehmen, als man voraussichtlich brauchen wird. Vielleicht mit leichten Skis unterwegs sein, aber nicht mit der leichtesten Plastik-Lawinenschaufel, die im Handel erhältlich ist. Die Energie muss für einen ganzen Tag reichen. Pausen gehören dazu und eine unbeschreibliche Ruhe. Das Schönste im Vergleich mit anderen Sportarten ist: Man wählt den Weg selbst. Da sind keine Wanderwegweiser, keine Strasse, keine Finnenbahn und schon gar keine Holzlatten oder Fähnchen, welche den Zick-Zack-Kurs vorgeben.

Diese Freiheit, die Stille und das Abenteuer einer echten Skitour verschwinden sofort, wenn man versucht, den Sport zum Wettkampf zu machen. Gegner gibt es zwar: das Wetter, der Berg, die Nerven zum Beispiel. Man muss sie richtig einschätzen, aber man kann sie nicht besiegen.

Ski-Mountaineering, wenn es nicht olympisch ist.

Holt die Schweiz im Skitouren-Rennen Medaillen? So funktioniert das neue Olympia-Spektakel

Am Donnerstag feiert Ski Mountaineering olympische Premiere. Wir sagen, was den Reiz der Rennen ausmacht und stellen das Schweizer Team vor.

Vor fünf Jahren dachte sie ans Aufhören – jetzt ist die Schweizerin Marianne Fatton Olympiasiegerin

Die 30-Jährige setzt sich bei der olympischen Premiere des Ski Mountaineering in einem packenden Sprint-Final durch und gewinnt Gold. Die Schweizer Männer patzen in der Wechselzone.

Olympische Winterspiele


© Aargauer Zeitung