menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Toxisch, sexistisch, überflüssig: Das Konzept Pop-Flop

16 0
20.03.2026

Der Flop-Begriff in der Popkultur ist subjektiv und basiert oft auf Stimmungen, Internet-Kommentaren und erfundenen Erwartungen.

Frauen wie Lady Gaga und Zara Larsson werden für Veränderungen häufiger als Flops bezeichnet, was auf sexistische Doppelmoral hinweist.

Zara Larsson fordert, dass vor allem Frauen sich nicht länger selbst als Flops sehen und den toxischen Diskurs beenden.

Lady Gagas Album "Artpop" erschien 2013 und führte die Charts in USA, UK, Österreich an.

Das "Khia Asylum" steht für sexistische Flop-Debatten über Sängerinnen.

Bebe Rexha, Rita Ora, Ava Max und Camila Cabello gelten als "Insassinnen" des Khia Asylum.

Der Flop-Begriff in der Popkultur ist subjektiv und basiert oft auf Stimmungen, Internet-Kommentaren und erfundenen Erwartungen.

Frauen wie Lady Gaga und Zara Larsson werden für Veränderungen häufiger als Flops bezeichnet, was auf sexistische Doppelmoral hinweist.

Zara Larsson fordert, dass vor allem Frauen sich nicht länger selbst als Flops sehen und den toxischen Diskurs beenden.

Lady Gagas Album "Artpop" erschien 2013 und führte die Charts in USA, UK, Österreich an.

Das "Khia Asylum" steht für sexistische Flop-Debatten über Sängerinnen.

Bebe Rexha, Rita Ora, Ava Max und Camila Cabello gelten als "Insassinnen" des Khia Asylum.

„What if I flop?“: Sich diese Frage zu stellen, ist menschlich. So menschlich, dass vermutlich nicht nur Stars dieses Gefühl kennen. Diese Angst vor dem nächsten Schritt, egal, ob es sich dabei um einen Album-Release, einen neuen Normalsterblichen-Job oder einen stinknormalen Instagram-Post handelt, der die 30-Likes-Marke nicht knackt, obwohl man ihn stundenlang perfekt kuratiert hat. Die Gegenfrage, die ein bekanntes Meme stellt, ist aber ohnehin viel wichtiger: „But what if you eat, diva?“

Mehr für dich: Die gläserne Klippe

Was ein Flop oder ein Slay ist, bestimmen ohnehin immer die anderen. Und deren Blick auf diese Frage ist nicht immer ganz nachvollziehbar – im echten Leben genauso wie in der Popkultur. Sängerin Zara Larsson galt jahrelang als Vorreiterin der Flop-Stars. Obwohl sie mit Songs wie „Lush Life“ oder „Symphony“ kommerzielle Erfolge feierte, wurde ihr Flop-Pegel am fehlenden kulturellen Impact festgemacht, so lange, bis sie es selbst glaubte. Ähnlich erging es auch schon Mega-Stars wie Katy Perry und Lady Gaga. Letztere hat in Sachen Flop eine besonders spannende Geschichte vorzuweisen.

Lady Gagas „Artpop“: Die Mutter der vermeintlichen Flops

2013 veröffentlichte sie „Artpop“, ihr drittes Album nach dem großen „Born This Way“. Obwohl „Artpop“ die Albumcharts in den USA, in UK und auch in Österreich (!) anführte, wurde es gemeinhin als Flop diskutiert. Viel zu abgedreht, zu unverträglich. Weil sie sich weigerte, ein zweites „Bad Romance“ zu liefern, und es wagte, die General Public vor den Kopf zu stoßen, war klar: „Artpop!? Wohl eher „Artflop“!

Worum geht es also beim Prädikat Flop? Nicht zwingend um kommerziellen Erfolg, aber offenbar auch nicht um Innovationskraft. Auch das Argument mit dem kulturellen Impact lässt sich nicht pauschalisieren, wie der Fall von Gaga zeigt. Am Ende des Tages geht es schlichtweg um eine Stimmung, die wir anhand von Internet-Kommentaren, Kritiken und subjektiven Gefühlen festmachen. Um erfundene Erwartungshaltungen und Geschmäcker.

Heute genießt „Artpop“ Kultstatus unter Fans – und Gaga selbst sprach Ende 2025 in einem Interview mit dem Rolling Stone darüber, wie schwer der „Artpop“-Hate für sie war. Auch, weil er ganz klar sexistisch sei, heißt es: Männern wird kein Strick daraus gedreht, wenn sie sich verändern. Sie werden dafür als „radikale Denker“ gefeiert, sagt Lady Gaga mit Blick auf diese Zeit. What else is new?

Willst du dieses YouTube Video sehen? Gib den Youtube-Cookies grünes Licht.

Der Pop-Albtraum: Langzeitgefangene im Khia Asylum

Dass die Flop-Debatte oft von Sexismus geprägt ist, zeigt auch das Netz-Konzept „Khia Asylum“: Benannt nach der Künstlerin Khia, die uns den Hit „My Neck, My Back (Lick It)“ schenkte und danach vom Popkultur-Boden verschwand, beschreibt der Begriff einen fiktionalen Ort, an dem floppende Sängerinnen (ungegendert) eingesperrt werden. Wofür? Weil sie es nicht über die Schwelle der mittelmäßigen Berühmtheit hinaus schaffen und sie keine Rolle in popkulturellen Debatten spielen.

Bebe Rexha, Rita Ora, Ava Max, Camila Cabello – sie sind vier der Insassinnen, die es schon länger nicht aus dem Flop-Gefängnis geschafft haben. Es gab aber auch schon epische Ausbrüche: Da wäre zum Beispiel von Charli xcx mit „Brat“, Sabrina Carpenter mit „Espresso“ oder eben Zara Larsson, die als Langzeitinsassin des Khia Asylum immer wieder für Running Gags herhalten musste. Komisch, dass kaum Männer im Khia Asylum einsitzen, oder? Darüber, dass Shawn Mendes seit Jahren keinen Hit hatte, redet in diesen Debatten nämlich meistens niemand.

Leseempfehlungen aus der Redaktion

Einblicke in die WZ-Redaktion. Ohne Blabla.

Jede Slay-Ära braucht eine Flop-Ära

Betonung auf „meistens“, denn: Ein Mann, der aktuell von vielen den Flop-Stempel aufgedrückt bekommt, ist Harry Styles. „Ist Harry in seiner Flop-Ära?“, lauten da Headlines von Thinkpiece-TikToks, die analysieren, ob Harry Styles auf dem absteigenden Ast sei. Sein neues Album ist gerade auf Platz Eins der Billboard 200 Charts eingestiegen, aber gut. Wir erinnern uns: Flops liegen im Auge der Betrachter:innen. Und das macht sie am Ende des Tages sowas von egal.

Zara Larsson sagte kürzlich, dass wir das Gerede über das Khia Asylum hinter uns lassen sollten – und dass sich vor allem Frauen im Pop weniger selbst als Flops bezeichnen und sich diesen Stempel nicht länger aufdrücken lassen sollten. Und auch, wenn nach einer Slay-Ära wieder eine Flop-Ära kommt, sollten wir anders darüber sprechen, findet Zara. Denn ein Ausbruch aus dem Khia Asylum ist nicht zwingend für immer, es kann jederzeit wieder zurückgehen. Aber nur, wenn wir den toxischen und überflüssigen Flop-Diskurs weiterhin so führen, wie wir es tun.

Die freie Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin Verena Bogner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.

Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.

RollingStone: How Lady Gaga Found Herself Again: ‘I Feel Lucky to Be Alive’

Daily Campus: What is ‘The Khia Asylum’ and how do artists escape?

Billboard: Harry Styles’ ‘Kiss All the Time. Disco, Occasionally.’ Debuts at No. 1 on Billboard 200 Chart

TikTok: Interview Zara Larsson


© Wiener Zeitung