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Zugfahren billiger wann?

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05.04.2026

Zugfahren ist trotz hoher Benzinpreise weiterhin teurer als Autofahren, selbst ohne Vergünstigungen.

Die Abhängigkeit von fossilen Energien verursacht Preissteigerungen, soziale Ungleichheit und macht die Wirtschaft krisenanfällig.

Politische Maßnahmen wie minimale Benzinpreissenkungen greifen zu kurz; nachhaltige Entlastung erfordert günstigeren, besseren öffentlichen Verkehr und erneuerbare Energien.

Zugfahrt mit Hund nach Salzburg fast doppelt so teuer wie Autofahrt

Benzinpreis um 10 Cent pro Liter gesenkt, spart ca. 4 Euro pro Tank

Öffentlicher Verkehr soll billiger und dichter werden

Zugfahren ist trotz hoher Benzinpreise weiterhin teurer als Autofahren, selbst ohne Vergünstigungen.

Die Abhängigkeit von fossilen Energien verursacht Preissteigerungen, soziale Ungleichheit und macht die Wirtschaft krisenanfällig.

Politische Maßnahmen wie minimale Benzinpreissenkungen greifen zu kurz; nachhaltige Entlastung erfordert günstigeren, besseren öffentlichen Verkehr und erneuerbare Energien.

Zugfahrt mit Hund nach Salzburg fast doppelt so teuer wie Autofahrt

Benzinpreis um 10 Cent pro Liter gesenkt, spart ca. 4 Euro pro Tank

Öffentlicher Verkehr soll billiger und dichter werden

Ich habe eine gute Freundin in Salzburg, die ich manchmal besuche. Meistens mit dem Auto, weil sie ein bisschen außerhalb am Berg wohnt und man dort mobil sein sollte, und: weil es günstiger ist. Ohne Klimaticket und sonstigen Vergünstigungen kostete mich bisher die Zugfahrt mit Hund zum Salzburger Hauptbahnhof, von dem aus man noch 20 Minuten Autofahren muss, fast das Doppelte als die Fahrt mit dem Auto von Tür zu Tür.

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Heute habe ich wieder mal nachgesehen – und die Fahrt ist für meinen Hund und mich trotz der explodierten Benzinpreise IMMER noch mit dem Auto günstiger. Und das, obwohl die Preise an der Tankstelle inzwischen wirklich absurd sind.

Ich habe das Gefühl, die Steigerung der Preise durch die Weltlage und den Krieg im Iran wird uns derzeit als unaufhaltbare Naturgewalt präsentiert. Als wäre da ein Wetterphänomen über uns hereingebrochen, gegen das man leider nichts tun kann.

Wir müssen raus aus den Fossilen

Rhetorische Frage: Ist es nicht vielmehr das Ergebnis einer politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeit, an der viel zu lange festgehalten wurde? Ja, ich weiß, wir alle kennen die Antwort. Immer noch hängt unsere Wirtschaft viel zu sehr an Öl und Gas, und es wird getan, als ob das alternativlos wäre – obwohl wir längst wissen, dass es erstens keine Zukunft hat und zweitens die Alternativen längst entwickelt sind. Fossile Energie ist nicht nur schmutzig. Sie ist auch teuer, unsicher und ein grässlicher Inflationsmotor.

Wir tun grad alle so, als käme die Teuerung überraschend, weil niemand damit rechnen konnte, dass zwei Wahnsinnige ein autoritäres Regime angreifen. Doch, konnte man. Aber: Der Krieg hat nicht urplötzlich ein ansonsten stabiles Modell zerstört. Er hat nur sichtbar gemacht, wie fragil dieses Modell immer schon war. Sobald irgendwo ein Krieg eskaliert, eine Pipeline politisch wird oder ein Förderland zum Pulverfass wird, zahlen wir hier drauf – und langsam nervt es, dass schon wieder keine spürbaren Konsequenzen gezogen werden. Ich habe jetzt schon Angst vor meiner Jahresabrechnung fürs Heizen, denke mir inzwischen jedes Mal beim Lebensmitteleinkauf, dass ich bitte gerne ausnahmsweise die Butter OHNE die Diamanten drin gehabt hätte, und meine Mobilität ist eingeschränkt, weil mir sowohl Zugticket als auch Benzin grad zu teuer werden (stärkere Subvention fürs Zugfahren aus dem Budget wann?).

Andere trifft es vielleicht anders, aber es trifft grad alle: Wer genug Geld hat, ärgert sich vielleicht nur über einen teureren Tank. Aber wer wenig hat, muss wirklich überlegen, welche Lebensmittel noch leistbar sind und ob 17 Grad in der Wohnung eigentlich auch genug sind. Fossile Abhängigkeit ist nicht nur ein Klimaproblem. Sie ist auch ein Gerechtigkeitsproblem.

10 Cent pro Liter machen das Kraut nicht fett

Die derzeitige politische Reaktion darauf ist so unfassbar banal:

Hey, wir machen das Benzin um 10 Cent günstiger. Das sind, wenn ich mein kleines Auto volltanke, vier Euro pro Tankvorgang. Nein, das wird meine Gasnachzahlung nicht abfedern. Man subventioniert das Weiter-so und nennt das Entlastung. Dabei wäre echte Entlastung etwas anderes: Ein System, in dem wir weniger abhängig sind von einem Rohstoff, dessen Preis von Gewalt, Machtpolitik und internationalen Krisen hochgejagt wird.

Wöchentlich gute Nachrichten

Der Newsletter mit den guten Nachrichten: Kleine Geschichten über Fortschritte und Erfolg.

Wer ernsthaft etwas gegen die Teuerung tun will, muss endlich dort ansetzen, wo sie strukturell mitproduziert wird: bei der fossilen Energie. Öffentlicher Verkehr muss billiger, dichter und verlässlicher werden. Der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik darf nicht weiter theoretisch gefeiert und praktisch von den rechtskonservativen Kräften im Land verhindert werden. Himmelnochmal, wenn sie unbedingt meinen, dann sollen’s halt den Klimawandel anzweifeln (die Geschichte wird sie sowas von sicher berichtigen), aber schon rein aus Preis- und Sicherheitssicht sind diese Maßnahmen schlicht wichtig.

Es geht doch nicht nur um Nachhaltigkeit

Das ist nüchterne Krisenvorsorge. Jede Kilowattstunde aus Sonne, Wind, Wasser oder regionaler Wärme ist eine Kilowattstunde weniger, für die wir uns von den Eskalationen dieser Welt abhängig machen. Jede Wärmepumpe, jede gut gedämmte Wohnung, jede S-Bahn-Verbindung, die wirklich fährt, jeder Bahnhof in Sankt Anton am Schlagloch, der wieder geöffnet wird, ist auch ein Stück Inflationsschutz.

Das Festhalten an Öl und Gas ist nicht vernünftig, sondern einfach nur bequem – vor allem für jene, die an alten Geschäftsmodellen verdienen. Und es macht mich so wütend: Wir alle zahlen deshalb drauf. Bis auf die Energieunternehmen, die sich gefühlt ihre Büros wohl bald mit Blattgold tapezieren können.

Ich frag mich wirklich: Müssen wir erst kollektiv an die Wand rennen, bis sich wirklich grundlegend was ändert? Bis wir kapieren, dass fossile Energien keine Zukunft haben und dass wir dieser gesamten weltpolitischen Lage weitaus entspannter begegnen könnten, würden wir mehr auf erneuerbare Energien setzen? Und wann werden Zugfahrten endlich signifikant günstiger als Autofahrten? Frage für eine Freundin.

Nunu Kaller schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Nachhaltigkeit. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.

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