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Der Vatertag oder: Feiertage, auf die ich verzichten möchte

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14.06.2026

Heute ist Vatertag. Nein, Gratulation dazu gibt’s von mir keine, liebe Väter. Warum? Weil ich allein schon die Entstehungsgeschichte für absurd halte. 1908 entstand der Muttertag in den USA: Die Sozialaktivistin Anna Jarvis wollte damit ihre Mutter ehren. So weit, so gut. In den 1920er-Jahren schwappte der Feiertag rüber nach Europa, angetrieben von Frauenorganisationen, aber auch damals schon von der Blumenindustrie – ja, damals schon. Anna Jarvis beschwerte sich sogar noch zu Lebzeiten darüber, dass aus ihrem Muttertag ein Konsumfest geworden war. Danach missbrauchte Hitler den Muttertag noch dazu zu Propagandazwecken, denn nur eine gute Mutter war im Nationalsozialismus eine gute Frau.

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Und der Vatertag? Der war ein klassisches „Aber wir Männer auch!“. Zwei Jahre nach der Schaffung des Muttertags wurde er eingeführt. Immerhin: zu Ehren eines Mannes, der nach dem Tod seiner Frau sechs Kinder allein großgezogen hatte. Und deshalb feiern wir jetzt also alle Väter? Auch die, die ihre Vaterrolle als „Sie hat sich um alles zu kümmern, ich bring die Kohle heim“ interpretieren? Super. Ich find ja ein „Aber die Männer müssen auch geehrt werden wie die Frauen“ fast so schwierig wie #notallmen, aber das hier ist eine Nachhaltigkeitskolumne, Beatrice Frasl ist nächste Woche wieder dran.

Kommerz, Kommerz, Kommerz

Und auch aus Nachhaltigkeitssicht nerven mich Mutter- und Vatertag: Beide Tage wurden inzwischen komplett durchkommerzialisiert. Supermärkte, die am Samstag vor dem Muttertag vor hässlich dekorierten Blumensträußen übergehen, von denen mehr als die Hälfte dann am Montagmorgen weggeschmissen werden muss, weil niemand dran gedacht hat, vielleicht Samstag vorm Zusperren doch noch ein bissl Wasser in........

© Wiener Zeitung