Ein WM-Wunder zum Wundern
Auf Instagram und TikTok ist das Spiel der Österreicher ein Renner. Auch, weil es fast wie ein inszenierter Netflix-Streifen wirkt, mit Drama, Spannung und irren Wendungen. 3:2 in der 93. Minute: Österreich raus. 3:3 in der 96. Minute: Österreich im WM-Sechzehntelfinale. Das lässt sich mit bunten Kurzvideos, peppigem Schnitt und schreienden Influencern gut verkaufen. Auf Social Media wirkt das WM-Entscheidungsspiel zwischen Österreich und Algerien wie ein Heldenepos. Man sieht Kicker in Ekstase, tanzende Fans und Hammer-Tore.
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Wer die Partie aber in seiner Langfassung gesehen hat, über die 100 Minuten Spielzeit, der gelangt zu einem differenzierteren Bild. Österreichs Nationalteam hat zwar den ersten WM-Aufstieg seit 44 Jahren geschafft, aber trotzdem beinahe eine historische Blamage verursacht, weil man fast einen Nichtangriffspakt verloren hätte. „Es war teilweise unseriös“, betonte Marcel Sabitzer selbstkritisch. Wie ist dieser WM-Erfolg einzuordnen?
Österreich, das muss zuallererst erwähnt werden, hat ein schweres WM-Los erhalten: mit Weltmeister Argentinien und starken Algeriern. Der Datenanalyst Opta verwies gar auf die „schwierigste“ Gruppe. Nun wartet in der ersten K.O.-Runde mit Europameister Spanien der zweite große Brocken im vierten Spiel. Und auch das Duell um den Aufstieg gegen Algerien hatte komplizierte Voraussetzungen.
Denn: Beiden Teams reichte ein Remis zum Aufstieg. Und das merkte man. Österreich ging zweimal in Führung und lud die Algerier mit ungewohnter Passivität zweimal zum Ausgleich ein. Beim Stand von 2:2 kam es dann zu einem Nichtangriffspakt. Beide, so schien es, hatten nun was sie wollten.
Und so ergab sich ein seltsames Spiel. Die Österreicher überließen den Algeriern komplett den Ball und wogen sich in Sicherheit. Das Problem: Das ÖFB-Team neigt eigentlich zum Angriff – und dementsprechend ungelenk vollführte man nun den Nichtangriffspakt. Die Algerier spielten sich seelenruhig den Ball zu, während die österreichische Mannschaft immer näher vor ihr eigenes Tor wanderte, ohne klare Grenzen zu setzen und getragen von einer Passivität, die in Rangnicks Ära nie zuvor praktiziert worden war. Und so kam es zu einer eigenartigen Situation kurz vor Schluss: Obwohl Algerien nicht mehr wirklich nach........
