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Lesen – das unverzichtbare Abenteuer im Kopf

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23.04.2026

Lesen fördert Fantasie, Konzentration und komplexe Denkleistungen, wird aber von digitalen Ablenkungen gestört

Digitale Lesemengen steigen, jedoch werden am Smartphone weniger komplexe Inhalte gelesen

Stilles Versinken in Buchwelten weicht schneller Abfolge von Unterbrechungen

2025: Österreichische Nationalbibliothek nahm 24.008 Bücher auf (2004: 42.471)

Lesekompetenz und Lesedauer sinken in Österreich, vor allem bei Älteren und Geringqualifizierten

Junge Menschen lesen weiterhin gerne, vor allem durch neue Genres und Community-Erlebnisse rund ums Buch

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Kürzlich habe ich es mir mit Graf Alexaner Rostow auf dem Sofa bequem gemacht. Der fiktive Literat lebt im berühmten Hotel Metropol vor a vis vom Kreml in Moskau, wo er als politischer Gefangener der Bolschewiken nach der russischen Revolution 1917 unter Hausarrest steht. Vor dem Hintergrund seiner räumlichen Einschränkung taucht er in eine vielschichtige Welt der emotionalen Entdeckungen ein, die seinem Leben einen unendlich erscheinenden Raum und in diesem Sinn eine Freiheit verleihen. Jeder Tag ist auf eine Weise interessant, er bekommt fast täglich Besuch, lernt neue Menschen kennen, und ich folge ihm in seine Abenteuer in jede Ecke des eleganten Jugendstil-Ambientes des Hotels, indem ich in aller Stille lese.

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Amor Towles’ Roman “Ein Gentleman in Moskau” ist auch eine achtteilige Miniserie. Doch dieses Erlebnis ist ein anderes. Denn während Filme uns Bilder zeigen, schaffen wir uns beim Lesen die Bilder selbst. Lesen ist geführtes Abenteuer im Kopf. Am liebsten ungestört und entspannt wie hier auf dem Sofa, damit der Kopf die Vorstellung auskosten kann. Doch das machen wir immer seltener, weil wir immer mehr Zeit mit dem Smartphone verbringen.

Von der Tiefe in die Breite

Bedeutet mehr Zeit am Smartphone, dass wir weniger lesen? Oder lesen wir einfach nur anders? Immerhin müssen auch die Buchstaben und Sätze auf Bildschirmen begriffen werden. Von Titelzeilen über Zusammenfassungen, von Blogbeiträgen über Online-Zeitungsgeschichten, von Longreads zu kürzeren Texten und Büchern in E-Readern bis hin zu Postings auf Social Media – noch nie schien das Leben so textlastig wie heute. „Gemessen an den Textmengen über Apps auf Smartphones lesen wir quantitativ unterm Strich sogar mehr“, sagt Sven Stollfuß, Professor für Medienwandel an der Universität Leipzig, in einem Interview mit dem Leipziger Universitätsmagazin. Allerdings bedeute mehr Text nicht automatisch mehr Tiefe, erklärt er.

Rein mengenmäßig weicht das stille Versinken in........

© Wiener Zeitung