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Kein Hemingway, sondern mein „Großbaba“

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28.01.2026

Schon im Kindesalter hörte ich viele Geschichten über Journalismus und Medien. Dies hatte nicht nur mit unserem politisierten Haushalt zu tun, sondern in erster Linie mit meinem Großvater, Mohammad Mohsen Feroz. Mein Vater nannte ihn meist einfach nur „Großbaba“, wenn er von ihm erzählte. Großbaba war im alten Kabul – jenem, das vor der Zeit der Kriege in Afghanistan existierte – kein Niemand. Er war Journalist, Publizist, Dolmetscher und im diplomatischen Dienst tätig – eine ziemlich lange Liste an Berufsbezeichnungen, der vor allem seine Söhne stets nacheiferten.

Im Salon meines Großvaters fanden stets politische Diskussionen statt, an denen Vertreter der verschiedenen politischen Klassen des Landes teilnahmen: Monarchisten, Republikaner, Demokraten, Liberale, Traditionalisten, Islamisten, Linke, Marxisten und Stalinisten. Muslime, Sikhs, Hindus und Juden. Ja, das war ein ziemlich bunter Haufen, doch genau das machte Afghanistan, und derartige Diskussionen und Debatten waren möglich. Den viele der Männer, die die damalige Politik Afghanistans dominierten, waren sich in einem einig: Das Land müsse endlich in der Moderne ankommen und sich den politischen Gegebenheiten seiner Zeit anpassen.

Viele der Umbrüche in der Region waren geprägt von Nationalismus, Kolonialismus und Imperialismus. Afghanistan befand sich in der........

© Wiener Zeitung