Bist du eine „Finger Princess“?
In so manchen Ecken auf Social Media ist man gerade dabei, dieser einen anstrengenden Person, die wir alle irgendwie kennen, einen Namen zu geben. Und was soll ich sagen, ich bin diese Person: Ich bin eine sogenannte „Finger Princess“. Ich bin die nervige Freundin im Gruppenchat, die lieber anderen eine Frage stellt, bevor sie zehn Zentimeter im Nachrichtenverlauf hochscrollt oder fünf Sekunden selbst die Suchmaschine bedient. „Wann geht das Konzert heute los?“, „wieviel bekommst du nochmal für die Pizza?“, „weiß jemand, wo das Bier gerade in Aktion ist?“. Schuldig in allen Anklagepunkten.
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Obwohl die Timelines derzeit noch nicht von „Finger-Princess“-Inhalten geflutet werden, sehe ich virales Potenzial. Als das neue Label für den frustrierenden Typ Freund:in, den jede:r hat, taucht die „Finger Princess“ gerade in diversen Lifestyle-Kolumnen und Podcasts auf. Mit einem Augenzwinkern berichtete auch The Guardian in seinen „Pass notes“ darüber, einer Art „Unnützes-Wissen“-Rubrik.
Warum heißt es „Finger Princess“?
Dabei handelt es sich eigentlich um keine neue Bezeichnung – zumindest nicht in Korea, wo der Begriff ursprünglich herkommt. Mit dem umgangssprachlichen Ausdruck „ping-peu“, der sich jeweils aus der Kurzform der Wörter „Finger“ und „Prinzessin“ beziehungsweise "Prinz" zusammensetzt, wird dort eine Person bezeichnet, die Fragen lieber an Freund:innen auslagert, anstatt sie sich unter Minimalaufwand selbst zu beantworten. Der scherzhaft gemeinte Titel kommt allen zu, die keinen Finger für eine einfache Google-Suche rühren würden.
Ich muss zugeben: Diese Definition hinterlässt wenig Zweifel an meinem Finger-Princess-Dasein. Bleibt nur die Frage: Bin ich damit eine wandelnde „red flag“ oder reicht es langsam mit den ganzen „Dos und Don’ts“ in Freundschaften, die uns das Internet vorgibt? Ich glaube, die Antwort liegt – wie so oft – irgendwo dazwischen.
Das letzte Wort haben meine Freund:innen
Einerseits bin ich froh, dass ich beim ziellosen Scrollen auf Instagram über den Finger-Princess-Begriff gestolpert bin. Für mich war es ein angebrachter Reminder, ein bisschen umsichtiger mit der Zeit und Hilfsbereitschaft meiner Freund:innen umzugehen. Viel wichtiger, als die eigenen Gruppenchat-Angewohnheiten in „green“, „beige“ oder „red flags“ zu unterteilen, scheint mir aber die Fähigkeit unter Freund:innen, Kritik zu äußern. Ich möchte mich darauf verlassen können, dass meine Freund:innen es mir sagen, wenn ich nerve – und nicht das Internet.
Ein potenzielles Outcalling als Finger Princess sollte nicht wie ein Damoklesschwert über jeder Nachricht schweben, die man in den Gruppenchat tippt. Klar, das Label kann helfen, die eigene Bequemlichkeit zu hinterfragen. Zeitdruck oder das Bedürfnis nach einer kurzen Rückversicherung können aber genauso Gründe für ein schnelles Fragen-Outsourcing sein und sollten nicht zum toxischen Verhalten hochstilisiert werden. Denn das birgt unter Umständen mehr negative Konsequenzen als der ein oder andere Mehraufwand, den man für seine Freund:innen leistet. Aber vielleicht spricht hier auch nur die Finger Princess aus mir.
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Das umgangssprachliche koreanische Wort 핑프 (ping-peu) bedeutet übersetzt so viel wie „Fing Prin“. Es ist eine Kurzform für „Finger Prince“ (핑거 프린스) oder „Finger Princess“ (핑거 프린세스).
Instagram: Today’s random Korean word of the day: 핑프
Wiktionary: finger princess - Wiktionary, the free dictionary
Mamamia Out Loud auf Instagram: „Uh Oh, I'm A Finger Princess“
The Guardian: Finger princesses: are these the biggest villains of the chat group?
Mamamia: ‚The worst friend you can be is a „finger princess“. I’ve just realised I am one.‘
Self: Meet the ‚Finger Princess‘: The Annoying Friend Everyone Has
Slate: Are You the „Finger Princess“ In Your Group Chat?
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