Dieses irritierende Gefühl, dass Frankreich Recht hatte
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Dieses irritierende Gefühl, dass Frankreich Recht hatte
20. Februar 2026 | The Economist
Europäische Souveränität anstelle transatlantischer Gemeinschaft? Donald Trumps Amerika macht den Gaullismus wieder respektabel
Die europäischen Staats- und Regierungschefs, die sich am vergangenen Wochenende zur Münchner Sicherheitskonferenz trafen, fanden etwas Trost in dem weniger scharfen Tonfall der USA. Während Vizepräsident JD Vance im letzten Jahr verletzt und bestürzt hatte, gab sich Außenminister Marco Rubio in diesem Jahr als ein gemäßigterer Kritiker. Doch er war ein Kritiker, und die Europäer reisten mit dem Gefühl ab, in Trumps Welt auf sich allein gestellt zu sein. Das ist schon beunruhigend genug. Doch während Donald Trumps Unberechenbarkeit bei den Europäern tiefe Besorgnis auslöst, plagen sie auch ein anderer, unangenehmer Gedanke: das nagende Gefühl, dass Frankreich vielleicht doch recht hatte.
Kein anderes europäisches Land war so konsequent skeptisch gegenüber der Verlässlichkeit seines transatlantischen Verbündeten und zeigte gleichzeitig eine so hartnäckige Entschlossenheit, seinen eigenen Weg zu gehen. Kurz nachdem Charles de Gaulle 1958 Frankreichs Präsident geworden war, warnte er den damaligen deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, die Amerikaner seien „unzuverlässig, nicht sehr solide und verstünden nichts von Geschichte oder Europa“. Mit Blick auf das sich verschiebende Weltmachtgleichgewicht sagte der General zu einem Berater: „Jederzeit könnten die außergewöhnlichsten Ereignisse eintreten … Amerika könnte … zu einer Bedrohung für den Frieden werden.“ Bis 1966 hatte de Gaulle eine Atombombe gebaut, sich aus dem integrierten Militärkommando der NATO zurückgezogen und amerikanische Soldaten aus Frankreich ausgewiesen.
Emmanuel Macron lässt keine Gelegenheit aus, seinen inneren de Gaulle zum Vorschein zu........
