Die radikale Ehrlichkeit des Donald Trump
07. Januar 2026 | The Economist
Nach Venezuela und angesichts der Drohungen aus dem Weißen Haus gegenüber Kuba und Grönland: Warum die Welt die Heuchelei in der amerikanischen Außenpolitik vermissen wird
VON THE ECONOMIST
Obwohl Donald Trump, selbst für amerikanische Präsidentenverhältnisse, häufig lügt, war eine düstere, grenzüberschreitende Ehrlichkeit über die Realität schon immer Kern seiner eigentümlichen politischen Anziehungskraft: Politiker werden durch Großspenden korrumpiert; nur Dummköpfe zahlen höhere Steuern, als sie sich leisten können; er könnte jemanden auf der Fifth Avenue erschießen und würde trotzdem keine Stimmen verlieren. „Glauben Sie, unser Land ist so unschuldig?“, antwortete er einmal auf die Frage nach Wladimir Putins mörderischer Vergangenheit.
Trumps Offenheit bezüglich seines Interesses an Venezuela passt zu dieser Politik und Weltanschauung. Er strebt keinen Regimewechsel an, geschweige denn die Verbreitung von Demokratie. Tatsächlich scheint er mit einer Stabilisierung des Regimes zufrieden zu sein, solange dieses die amerikanische Führung anerkennt, denn was er am meisten will, ist das Öl. „Wir werden enorme Mengen an Bodenschätzen fördern“, sagte Trump, nachdem amerikanische Streitkräfte den despotischen Machthaber Nicolás Maduro gestürzt hatten.
Weil die Diskrepanz zwischen den erklärten Prinzipien eines Politikers und seinen Taten seinen Kritikern die leichtesten Angriffspunkte bietet, dient Trumps unverhohlener Zynismus ihm als Schutzschild. Manche mögen sich darüber beschweren, dass Trump gegen seine „America First“-Prinzipien verstößt, doch in diesem Punkt ist er kein Heuchler. Für ihn bedeutet der........
