Verteidigung: Es braucht keine neuen Abhängigkeiten
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Verteidigung: Es braucht keine neuen Abhängigkeiten
12. August 2026 | Peter Tauber
Warum Deutschland bei der digitalen Souveränität auf die eigenen Stärken setzen muss. Von Peter Tauber, ehem. Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium
Als Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1963 den Élysée-Vertrag unterzeichneten, war das weit mehr als ein diplomatisches Ereignis. Nach Jahrhunderten der Rivalität und zwei Weltkriegen schufen Deutschland und Frankreich das Fundament einer neuen europäischen Ordnung. Ohne diese Aussöhnung wäre die europäische Einigung kaum denkbar gewesen.
Diese historische Leistung darf nicht klein geredet werden. Sie bleibt eine der größten politischen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts. Auch künftig bleibt Europa auf ein gutes politisches Miteinander von Frankreich und Deutschland angewiesen.
Während der politische Motor läuft, geriet die industrielle Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zumindest im Rüstungssektor bis auf wenige Ausnahmen schnell ins Stocken. Das letzte Beispiel für das Scheitern einer politisch erzwungenen Kooperation war wohl FCAS als Kampfflugzeug der Zukunft.
Vielleicht ist das Projekt auch gescheitert, weil es anders als in der politischen Zusammenarbeit gar keinen Grund gibt, strategische Schlüsseltechnologien gemeinsam mit Frankreich entwickeln zu müssen.
Keine Erfolgsgarantie: Deutsch-französische Projekte scheitern zu oft
In der Bilanz ist FCAS leider keine Ausnahme. Die Liste der gescheiterten Vorhaben ist lang und beginnt bereits in den 1960er Jahren. Kaum jemand weiß, dass bereits der Kampfpanzer Leopard 1 ursprünglich einmal als deutsch-französisches Projekt gedacht war.
Die Idee war ihrer Zeit voraus, doch sie scheiterte. Die Gründe wirken heute erstaunlich vertraut: Unterschiedliche militärische Anforderungen trafen auf konkurrierende Industrieinteressen. Hinzu kamen nationale Führungsansprüche und politische Einflussnahme. Am Ende entwickelte Frankreich den AMX-30, Deutschland den Leopard 1. Aus einem gemeinsamen europäischen Projekt entstanden folglich zwei konkurrierende Systeme.
Das war kein Betriebsunfall. Vielmehr war es der Beginn eines Musters. Selbst das Transportflugzeug A400M wurde von jahrelangen Verzögerungen und massiven Kostensteigerungen begleitet. Ein klägliches Fazit.
Natürlich wäre es falsch, daraus den Schluss zu ziehen, deutsch-französische Zusammenarbeit sei grundsätzlich zum Scheitern verurteilt. Airbus oder MBDA zeigen das Gegenteil. Aber ebenso falsch wäre es, aus politischen Reflexen immer wieder dieselbe Organisationsform für völlig neue technologische Herausforderungen zu wählen.
Nicht Hardware, sondern Software bestimmt Innovationszyklen
Ein Kampfpanzer wird über Jahrzehnte........
