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Der Denkfehler, der Links und Rechts eint

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22.06.2026

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Der Denkfehler, der Links und Rechts eint

22. Juni 2026 | Celine Nadolny | Lesezeit: 4 Min.

Das Nullsummendenken steckt hinter dem deutschen Sozialneid wie hinter Trumps Zöllen. Beide Lager eint dieselbe Illusion: dass einer nur gewinnen kann, wenn ein anderer verliert. Eine Buchrezension

Hundert Passanten, eine Frage. Hermann Simon, einer der renommiertesten Preisstrategen des Landes, wollte wissen, wie viel Gewinn einem Unternehmen nach Steuern bleibt, das hundert Euro umsetzt. Die Schätzung lag im Schnitt bei 22,8 Prozent. In Wahrheit sind es 3,2 Prozent.

Ein ganzer Irrglaube beruht auf dieser Lücke von fast sieben zu eins. Wer annimmt, dass ein Fünftel jedes Umsatzes als Gewinn hängenbleibt, für den ist Umverteilung im Grunde nur eine Frage der Logik. Man kann ja schließlich abschöpfen, was angeblich im Übermaß da ist. Dass tatsächlich gut drei Cent pro Euro übrigbleiben, passt nicht ins Bild, und was nicht ins Bild passt, wird selten zur Kenntnis genommen. Der Glaube dahinter trägt einen Namen. Rainer Zitelmann nennt ihn in seinem neuen Buch Zero Sum Mindset die Nullsummenfalle, die Überzeugung, dass der Gewinn des einen zwingend der Verlust des anderen sein muss. Wohlstand als Kuchen, der zwar verteilt, aber nie größer wird.

Fakten werden ignoriert

Was Zitelmann von der üblichen Empörungsliteratur abhebt, ist die Tiefe seiner Belege. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung von Patricia Andrews Fearon und Friedrich Götz, gestützt auf mehr als zehntausend Teilnehmer in sechs Ländern auf drei Kontinenten, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Das Nullsummendenken ist ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal, das ein gutes Argument nicht einfach aushebelt. Wer es in sich trägt, deutet selbst neutrale Situationen als feindlichen Akt und untergräbt die Zusammenarbeit selbst dort, wo am Ende beide Seiten gewinnen würden.

Dabei ist die Beweislage erdrückend. Vor zweihundert........

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