PR? Fakt? Oder schlicht planlos? Laut Trump ist Iran-Krieg „fast vorbei“
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PR? Fakt? Oder schlicht planlos? Laut Trump ist Iran-Krieg „fast vorbei“
11. März 2026 | Ansgar Graw
Der Präsident listet in einer Pressekonferenz Erfolge der Angriffe der USA und Israels gegen das Mullah-Regime auf. Längst nicht alles lässt sich überprüfen
Donald Trump trat in Mar-a-Lago vor die Presse – ohne Generäle, ohne Karten, ohne die sonst bei militärischen Lagebriefings üblichen Diagramme. Stattdessen präsentierte der Präsident eine Reihe selbstbewusster Behauptungen, wie üblich mit vielen Superlativen ausgeschmückt, über den Verlauf des Krieges gegen Iran und die Großartigkeit des amerikanischen Militärs. Der Konflikt, den die USA gemeinsam mit Israel seit dem 28. Februar führen, sei „sehr weit fortgeschritten“, sagte Trump – ja, praktisch schon beendet.
Zu den zentralen Aussagen aus Trumps improvisierter Pressekonferenz in seinem Anwesen in Florida:
Der Krieg sei nahezu „abgeschlossen“ und werde darum „sehr bald“ enden, man sei dem ursprünglichen Plan weit voraus:
große Teile des iranischen Militärs seien zerstört worden, darunter 41 Schiffe der Kriegsmarine, nahezu die komplette Luftwaffe, die Kommunikations- und Kommandostruktur, zudem sei das Raketenarsenal massiv reduziert worden:
mit dem gemeinsamen Angriff der USA und Israels sei man einer unmittelbar bevorstehenden Attacke der Mullahs auf amerikanische Ziele zuvorgekommen – es handelte sich mithin um einen Präventivschlag, der zudem verhindert habe, dass Iran „den ganzen Nahen Osten“ unter seine Kontrolle gebracht hätte;
Washington hofft weiterhin auf eine interne Lösung in Teheran, bei der die Mullahs selbst einen „akzeptablen, moderaten Führer“ nach vorne stellen – „so wie es in Venezuela gut gelaufen ist“, wie Trump sagte; dabei hatte der Iran nur Stunden zuvor Mojtaba Chamenei, den Sohn des anderthalb Wochen zuvor getöteten Obersten Führers Ali Chamenei zu dessen Nachfolger ausgerufen;
Wladimir Putin habe ihn in einem Telefonat ausdrücklich gelobt, versicherte Trump, der russische Präsident wolle „hilfreich“ sein, um die Lage in der Region zu stabilisieren; nach russischer Darstellung hatte Trump das Telefonat initiiert.
Der Auftritt wirkte wie ein klassischer Trump-Moment: große Worte, viele Zahlen – aber wenig überprüfbare Details. Generäle aus dem Pentagon, Geheimdienstler, Fachleute aus den Denkfabriken, die den Fortschritt hätten einordnen können, waren nicht vor Ort. Niemand erwartet von der politischen oder militärischen Führung inmitten eines Feldzugs allzu viele nachprüfbare Fakten und Details. Aber von der Öffentlichkeit ist auch nicht zu erwarten, dass sie die Versicherung für bare Münze nimmt, man liege „weit vor dem Zeitplan“, wenn ein solcher Zeitplan verständlicherweise nie offengelegt wurde.
Das Gremium der US-Geheimdienste widerspricht dem Präsidenten
Zudem scheint der Krieg, den Washington und Israel mit massiven Luftangriffen auf iranische Ziele begonnen haben, alles andere als beendet. Iran feuert weiterhin Raketen und Drohnen auf israelische und amerikanische Einrichtungen in der Region, während die USA und Israel ihrerseits tausende Angriffe vor allem auf die militärische Infrastruktur im Iran durchführen.
Auch eine Analyse des National Intelligence Council (NIC), dem wichtigsten Koordinationsgremium der insgesamt 16 US-Geheimdienste, widerspricht Trumps Darstellung eines militärisch praktisch besiegten Iran. Nach dem als geheim klassifizierten Bericht, aus dem die „Washington Post“ zitierte, sei es zudem „unwahrscheinlich“, dass selbst eine große US-Militäroffensive das iranische System zerstören oder das Regime zu Fall bringen könne.
Ebenso ist Trumps Darstellung ausgesprochen fragwürdig, Teheran habe kurz vor einem massiven Angriff auf die USA gestanden. Daryl Kimball, Geschäftsführer der in Washington angesiedelten, unparteiischen Arms Control Association (ACA), verweist gegenüber PolitiFact auf eine zehn Monate alte Analyse des Pentagon-Geheimdienstes DIA (Defense Intelligence Agency), dass der Iran bis 2035 eine die USA bedrohende Langstreckenrakete entwickeln könnte – wenn er sich dazu entschließe. Dass sich Israel als naher Nachbar in einer ungleich größeren Gefahr befand, ist unstrittig – aber das war eben nicht das Argument des US-Präsidenten.
Die Superlative und die Botschaften
Auch international stößt Trumps Darstellung auf Skepsis. So erinnert man sich, dass der Präsident bereits mehrfach behauptet hatte, Irans militärische Fähigkeiten seien „vernichtet“, obwohl unabhängige Einschätzungen lediglich von schweren, aber keineswegs vollständigen Schäden sprachen – das war der Fall im Juni 2025 nach dem Bombardement iranischer Atomanlagen unter dem Codenamen „Midnight Hammer“.
Bei einem Treffen mit seinem zyprischen Amtskollegen sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul, die USA seien weiterhin darauf konzentriert, „die militärischen Möglichkeiten des Iran, die eine Bedrohung der Nachbarschaft, aber auch Europas darstellen, so zu reduzieren, dass diese Gefahr nicht mehr besteht“. Eine schnelle Beendigung des Krieges stellte Wadephul damit erkennbar infrage. Trumps Behauptung, der Konflikt sei bereits „fast abgeschlossen“, stieß bei ihm erkennbar auf Skepsis.
Für zusätzliche Irritation sorgt, dass nur kurz vor Trumps Pressekonferenz in Florida sein Außenminister Marco Rubio in Washington behauptet hatte, „die Ziele dieser Mission gegen das iranische Regime seien klar“, nämlich die Zerstörung der Fähigkeit, Raketen zu starten, die Zerstörung der Fabriken, in denen die Raketen produziert werden, und die Zerstörung der iranischen Marine. Vom Ende des iranischen Atomprogramms oder gar einem Regimewechsel war in Rubios Drei-Punkte-Programm keine Rede mehr.
Minimiert Trump die Ziele, um frühzeitiger einen Erfolg reklamieren zu können? Auch innerhalb der amerikanischen Politik wächst der Druck, eine Exitstrategie zu formulieren. Unternehmer und Experten warnen vor einem längeren Krieg und seinen wirtschaftlichen Folgen – etwa steigenden Ölpreisen und wachsender politischer Unzufriedenheit.
Derweil weist die iranische Führung Trumps Darstellung eines baldigen Kriegsendes zurück und spricht von „Propaganda“. Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Iran bereite sich im Gegenteil auf eine mögliche Ausweitung des Konflikts vor und werde seine Angriffe fortsetzen.
So bleibt nach Trumps Auftritt vor allem ein Eindruck: Der Präsident wollte mit Superlativen ein politisches Signal senden. An die Iraner – als Warnung und Einschüchterung. An die internationalen Märkte – um die nervösen Ölpreise zu beruhigen. Und an seine Anhänger – um Optimismus über einen schnellen Sieg zu verbreiten.
Ob der Krieg tatsächlich „fast vorbei“ ist, lässt sich nach dieser Pressekonferenz jedenfalls kaum beurteilen. Dafür hätte es mehr gebraucht als aus dem Ärmel geschüttelte Zahlen.
