BDI-Chef Peter Leibinger: Der Mann der leisen Töne wird laut
23. Januar 2026 | Anja Georgia Graw-Bärwalde
Der Chef des Spitzenverbands warnt vor falscher Beruhigung: Das erwartete Wachstum 2026 reicht nicht, um den Standort zu stabilisieren
VON ANJA GEORGIA GRAW-BÄRWALDE
Die Kritik eher ritualisiert, die Appelle gemäßigt formuliert: So verläuft traditionell die Jahresauftaktveranstaltung des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Doch diesmal lag etwas anderes in der Luft. Als Peter Leibinger, seit Anfang 2025 Präsident des Verbands, ans Rednerpult trat, war schnell klar: Der Mann, der bislang für Zurückhaltung stand, wollte ein Signal setzen. „Geschwindigkeit ist in der volatilen Weltlage der entscheidende Standortfaktor“, sagte Leibinger. „Wir sind in einer sehr kritischen Situation.“ Für die Industrie war das mehr als eine Zustandsbeschreibung – es war eine Warnung mit Blick auf das Jahr 2026.
Leibinger hatte sich diesen Moment lange aufgespart. Der Schwabe gilt nicht als Lautsprecher, sondern als Ingenieur im Denken: analytisch, kontrolliert, ohne Neigung zur öffentlichen Eskalation. In seinem ersten Jahr an der Spitze des BDI hatte er sich bewusst von der scharfen Tonlage vieler Verbandsvertreter distanziert. Während andere früh und laut mit der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) abrechneten, setzte Leibinger auf Gespräche hinter den Kulissen – obwohl die deutsche Wirtschaft wie in den Jahren zuvor kaum wächst.........
