Traurig, aber normal
E s ist Bayram in Mostar. Im alten Teil der Stadt rund um die alte Brücke drücken sich Touristen und Einheimische durch die engen Gassen. In einem der Aufgänge in die obere Stadt singt eine Band bosnische Schlager, die Stimmung ist ausgelassen.
Auf der die Altstadt umlaufenden Straße, die immer noch „Marschall Tito“ heißt, flanieren Frauen mit Kopftuch, Männer in kurzen Hosen, Frauen in eng anliegenden, viel Haut freilassenden Kleidern. In den Männercafés weiter unten sitzen alte Männer beim Bier und tratschen, der Muezzin singt ein Lied, noch schiefer als der Schlagersänger auf der Treppe.
Zwischen dem Bekleidungsgeschäft „Bosnian Kingdom“ und der Botschaft Saudi-Arabiens sammeln sich im Laufe des Abends immer mehr junge Leute in einem Café, das einstmals die Gebetsschule der Moschee war. Die Kellner tragen Zahnspange und Bart, die weiblichen Besucher enge Jeans und T-Shirt.
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
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