„Der ideale Patient“
Selbst die Gemelli-Klinik war von den Nachrichten aus dem Vatikan überrumpelt: Der Papst-Trakt im zehnten Stock des Krankenhauses im Nordwesten Roms wird gerade renoviert. Offenbar hatte niemand damit gerechnet, dass der sportlich-agile Leo XIV. hier so schnell ein Zimmer brauchen würde.
Die Ankündigung des Papstes beim Mittagsgebet am 11. Oktober traf – bis auf wenige Eingeweihte im Vatikan – fast alle wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der gebürtige Chicagoer musste als junger Missionar in Peru einmal wegen Typhus ins Krankenhaus, ansonsten gilt er als Ausbund an Vitalität und wirkt für einen über 70-Jährigen ungewöhnlich gut in Form.
Schon zwei Tage später wurde der Papst operiert. Die Diagnose „bösartiges Adenokarzinom im rechten Lungenflügel“ wurde noch am Abend des 13. Oktober vom Vatikan veröffentlicht. Die anschließende Klinikphase ging fast in Windeseile zu Ende: Nach der Entfernung des rechten unteren Lungenlappens, wo der Tumor saß, wurde Leo XIV. bereits vier Tage später entlassen. Blutwerte, Herzfunktion, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und klinischer Gesamtzustand – alles bestens, so seine Mediziner.
Sein Umgang mit dieser Ausnahmesituation offenbart einiges über Robert Francis Prevost. Nicht nur, dass er seine Operation vor Tausenden beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz ankündigte, ist ein Novum in der Krankengeschichte der Päpste. Darin spiegelt sich die gelassene Rationalität des........
