Der Regenbogen hat Lücken
Ein Beitrag auf dem Social-Media-Profil der katholischen Jugend Leipzig hat besonders viele Kommentare: „Häresie“ – also „Irrlehre“ – schreiben manche. Einer fragt „Was soll das?“. Manche bezeichnen das Gesehene als „traurig“, „schrecklich“ und „ekelhaft“, andere schreiben „sehr schön!“, bedanken sich und sprechen von einem „wunderbaren Zeichen für die von Gott geschaffene Vielfalt“. Das Video, an dem sich die katholischen Geister derart scheiden, zeigt den Gottesdienst zum Leipziger Christopher Street Day (CSD), der im Juli in der Propsteikirche stattfand.
Der CSD geht auf das Jahr 1969 zurück, als sich Gäste der Bar Stonewall in der New Yorker Christopher Street – einem bekannten Treffpunkt vieler Homosexueller – gegen wiederholte Polizeirazzien wehrten. Die daraus entstandenen Proteste fanden bald jährlich statt und verbreiteten sich bis heute in vielen Ländern der Welt. Ihre Teilnehmer setzen sich für die Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenrechte derjenigen ein, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität von der gesellschaftlichen Mehrheit abweichen. Zu ihnen zählen unter anderem lesbische, schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen. Sie werden oft unter den Oberbegriffen „queer“ und „LGBTQ “ zusammengefasst. Das bekannteste Symbol der Bewegung wurde ein sechsfarbiger Regenbogen.
Auch in Leipzig findet der CSD jedes Jahr im Juli statt – mit einer Woche mit Kulturveranstaltungen, Workshops und einer Parade – und seit 2023 mit einem katholischen Gottesdienst zum Beginn der Woche. Währenddessen ringt die katholische Kirche seit Jahren um ihren Umgang mit queeren Menschen. Viele Bischöfe erkennen an, dass ihr pastoraler Auftrag auch für queere Menschen gilt und lehnen Konversiontherapien, die die Sexualität queerer Menschen umpolen sollen, ab. Der Katechismus bezeichnet Homosexualität weiterhin als „in sich nicht in Ordnung“.
Ein Impuls aus der katholischen Jugend
Federführend für den Leipziger Gottesdienst ist Stefan Plattner, Jugendreferent im Dekanat. 2022 kam der Südtiroler nach Sachsen und erinnert sich an sein erstes Treffen mit dem sogenannten „Dekanatsjugendhelferkreis“: „Ich habe die jungen Ehrenamtlichen damals gefragt, was ihnen wichtig ist und welche Schwerpunkte sie setzten möchten. Dabei kam das Thema auf, queere Menschen in der Kirche sichtbar zu machen. Weil ihnen das wichtig war, wollte ich es angehen.“
Plattner wollte einen Gottesdienst zum CSD organisieren. Als Priester frage er Jugendseelsorger Michael Kreher an und überzeugte ihn. „Er war sich nicht ganz sicher, weil er nicht in eine bestimmte Ecke geschoben werden wollte. Aber nach den Gottesdiensten kamen immer so viele bewegende Rückmeldungen, dass wir es nun jedes Jahr zusammen machen.“ Im........
