Der Obama aus Texas: James Talarico mischt mit linker Politik und Neuem Testament die Demokraten auf
Wenn seine Hände sprechen, sieht das aus wie bei Barack Obama. Auch die Körperhaltung des groß gewachsenen, schlanken Mannes erinnert an den Ex-Präsidenten. James Talarico gebraucht einen ähnlichen Duktus, mit dem er seine Zuhörer in den Bann zieht. Klare Sätze, die mehr nach Prediger als Politiker klingen. Mit Inhalten, die Obamas einstige Botschaft von „Hoffnung und Veränderung” (Hope and Change) spiegeln.
Verblüffend sind auch die biografischen Parallelen. Talaricos Vater meldete sich früh aus der Familie ab. James wuchs bei seiner alleinerziehenden Mutter in Pflugerville nördlich von Austin auf. Der talentierte Junge studierte Politikwissenschaft an der University of Texas. Danach arbeitete er zwei Jahre als Freiwilliger für „Teach for America” an einer öffentlichen Schule, bevor er wie Obama nach Harvard ging.
In aktuellen Umfragen führt Talarico mit bis zu sechs Punkten vor seinem Widersacher Ken Paxton
Und noch etwas eint die beiden. Talarico engagierte sich ebenfalls sehr jung in der Politik. 2018 gewann er in einem von Republikanern dominierten Distrikt durch einen unkonventionellen Wahlkampf einen Sitz im Repräsentantenhaus des „Lone-Star”-Staates Texas. Nach acht Jahren im dortigen Parlament ist der neue Shootingstar der Demokraten jetzt auf dem Sprung in den US-Senat. Und das mit 37 Jahren.
Im Unterschied zu Obama tritt er bei den US-Zwischenwahlen (Midterms) im November aber nicht in einem liberalen Staat wie Illinois an, sondern im Maga-roten Texas. Sein Gegner dort ist der skandalumwitterte Chefankläger des Bundesstaates, Ken Paxton, der wie sein großer Förderer Donald Trump ein Amtsenthebungsverfahren unter anderem wegen Korruption politisch überlebte. Mit dessen Hilfe verdrängte er bei den Vorwahlen der Republikaner Amtsinhaber John Cornyn, der fast ein Vierteljahrhundert lang Texas im Senat vertreten hatte.
Paxton fehlt das Talent des Showmans und Unterhalters, mit dem Trump bei den Präsidentschaftswahlen Kamala Harris um 14 Prozentpunkte abhängte. Dafür schaden ihm nun die schlechten Popularitätswerte des Präsidenten, den national rund zwei Drittel der Amerikaner ablehnen. In aktuellen Umfragen führt Talarico mit bis zu sechs Punkten. Ein Vorsprung, der zu wachsen scheint, je bekannter Talarico wird.
Auch Amerikas populärster Podcaster Joe Rogan zeigte sich nach einem Auftritt Talaricos begeistert
Zuletzt etwa durch ein Interview mit TV-Star Jimmy Kimmel auf ABC. Für unfreiwillige Publizität sorgte Brendan Carr, Trumps Chef der........
