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Hat Burnham ein Rezept gegen den Rechtsruck?

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24.09.2026

Einen Arm stützt er lässig auf den Tresen, in der Hand ein frisch gezapftes Pint Bier. Im Hintergrund verschwimmen die Stimmen im Lärm des Pubs. Andy Burnham schaut in die Kamera und erzählt von einem Gefühl, das viele kennen: Man stehe endlich vorn in der Schlange, nur um dann zu bemerken, dass der Ausweis fehle. Also: Kein Bier! Kein Bier?

„Nun gibt es eine andere Möglichkeit“, sagt Burnham in seinem melodiösen Manchester-Akzent. Nämlich: Seit Mitte September akzeptieren Pubs, Bars und Geschäfte in England und Wales auch digitale Altersnachweise auf dem Smartphone. Statt Pass oder Führerschein vorzuzeigen, kann über zertifizierte Apps bestätigt werden, dass man über 18 Jahre alt ist und damit legal und uneingeschränkt Alkohol kaufen und trinken darf. Burnham hebt sein Guinness in die Höhe, sagt „Cheers“ und versucht sich erfolgreich am „Split the G“. Das ist eine Pub-Challenge, ein Wettbewerb, bei dem der erste Schluck möglichst genau auf Höhe des „G“ im Guinness-Schriftzug auf dem Glas enden soll.

Andy Burnham – der Mann von nebenan. Und die Frage ist: Kann dieser Labour-Spitzenpolitiker Vorbild für andere Politiker in Europa sein? Hat er möglicherweise gar eine Antwort auf das Erstarken der Rechtspopulisten und Rechtsextremen allerorten?

Der Pub-Clip ist ein typisches Instagram-Video für den neuen Chef in Downing Street. Seit dem 20. Juli ist der ehemalige Bürgermeister von Greater Manchester britischer Premierminister. Er hat einen Regierungsstil geformt, der sich deutlich von dem seines gescheiterten Vorgängers Keir Starmer unterscheidet: persönlicher, optimistischer und mit Gespür für den souveränen Internet-Auftritt. Für den Politikwissenschaftler Patrick Diamond von der Queen Mary University of London ist Burnham sogar der erste wirkliche Social-Media-Premierminister.

Schon in seinen ersten Tagen im Amt setzte dessen Team konsequent auf kurze, für TikTok und Instagram produzierte Videos. In einem davon hält Burnham ein Brötchen in die Kamera und erklärt, dass es je nach Region „barm“, „cob“ oder schlicht „roll“ genannt werde. Seine Botschaft: Wenn selbst für ein Gebäck regional unterschiedliche Begriffe gelten, kann auch Politik nicht überall nach demselben Muster funktionieren. Damit richtet sich Burnham bewusst an jüngere Wähler, die klassische politische Berichterstattung oft kaum noch erreicht.

Hinter Andy Burnhams Vorgehen steckt Methode

Zwar hätten auch frühere Regierungschefs versucht, auf Plattformen wie TikTok präsent zu sein, sagt Diamond. Mit Burnham erlebe das Land aber einen Wendepunkt. „Er bewegt sich in den sozialen Medien ganz natürlich und nutzt sie gezielt, um mit Wählern in Kontakt zu treten.“........

© Südkurier