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Casa Odilia: Wie die Dorfgemeinschaft mit 3,8 Millionen ein Zuhause schuf

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15.03.2026

Mit einem Festakt wurde in der Dorfgemeinschaft Lautenbach nach fast zweijähriger Bauzeit die Casa Odilia wieder den Bewohnern übergeben. Pünktlich zum Festbeginn lugte die Sonne hervor und viele Bewohner, Mitarbeitende und Handwerker freuten sich mit Geschäftsführer Florian Irion über die gelungene Grundsanierung.

Vier Wohngruppen mit je sechs Wohnplätzen

Der Gebäudekomplex umfasst vier Wohngruppen mit je sechs Plätzen, dazu gibt es drei Mitarbeiterwohnungen. Jede Wohngruppe hat eigene Bad- und Sanitärräume, eine geräumige Küche mitsamt Aufenthaltsraum. Damit hat Lautenbach den 148. Wohnplatz entsprechend der 2009 beschlossenen Landesheimbauverordnung umgesetzt. Diese Vorgabe der Landesregierung stellte die Dorfgemeinschaft vor enorme Herausforderungen. Aber schon im Jahr 2012 wurden zwei Ersatzbauten entsprechend den baulichen Anforderungen in Betrieb genommen.

Und vor mehr als einem Jahrzehnt gab es schon die ersten Ideen und Entwürfe für den Umbau der Casa Odilia, wobei man zunächst von 16 Wohnplätzen ausging, berichtete Irion beim Festakt, dass man mehrfach umplanen musste. Mitte 2022 gab es einen Neustart mit 24 Plätzen in drei Wohngruppen. Dann änderten sich die Förderrichtlinien und nach zweijähriger Planungs- und Genehmigungszeit starteten am 21. Mai 2024 dann die Umbauarbeiten, wobei etliche heimische Handwerksbetriebe beteiligt waren, die beim Festakt von Florian Irion hochgelobt wurden: „Ihr habt einen super Job gemacht.“

Dorfgemeinschaft Lautenbach

Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach wurde 1971 von dem Waldorflehrer und Sozialtherapeuten Hans Dackweiler, seiner Ehefrau Marga sowie einem fünfköpfigen Team gegründet. Die Vision war, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit Assistenzbedarf ein selbstbestimmtes Leben führen und arbeiten können, was damals ein neuartiges Konzept darstellte. Den Ort, um seine Vision zu verwirklichen, fand Dackweiler in Großschönach. Im Winter 1970 wurde der heutige Brunnenhof umgebaut, erste Jugendliche zogen ein, die Schule und die Werkstätten nahmen im Jahr 1971 ihren Betrieb auf. Dackweiler gehörte zu einer Gruppe von Persönlichkeiten, die in den 60-er und 70-er Jahren das Bild der anthroposophischen Sozialtherapie prägten. Er war Mitglied im Vorstand des deutschen Verbandes für Heilpädagogik und Sozialtherapie in der medizinischen Abteilung am Goetheanum. In Lautenbach und seinen Standorten leben über 200 Menschen mit Assistenzbedarf in rund 20 integrativen Hausgemeinschaften. Über 200 Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer unterstützen und begleiteten sie in ihrem Alltag bei allen Herausforderungen des Lebens.

Die Hülle des Gebäudes blieb bis auf die neue Farbe unberührt, ebenso das Dach, aber im Inneren wurde im Prinzip alles verändert. Viele Räume erhielten einen neuen Grundriss, die Haustechnik wurde ausgetauscht, der Lift und das Treppenhaus wanderten in die Mitte des Hauses.

Baukosten betragen 3,8 Millionen Euro

Froh ist der Geschäftsführer, dass man im Zeit- und Kostenrahmen blieb, wobei sich die Gesamtkosten letztlich auf 3,8 Millionen Euro summierten. Finanziert wurde die gewaltige Summe durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration sowie großzügige Zuwendungen der Software-AG Stiftung, der Stiftung Fernsehlotterie, der Stiftung Wohnhilfe und vieler privater und institutioneller Spender.

Ein großes Lob gab es vom Geschäftsführer auch für Architektin Annette Masuch-Bayer aus Offenburg, die in Lautenbach im Dauereinsatz gewesen sei. Sie übergab einen überdimensionalen Hausschlüssel an Florian Irion, der ihn an Dagmar Fröder-Weiß, Vorständin Sozialtherapie, weiterreichte, die ihn dann den Mitgliedern des Heimbeirats übergab, die gemeinsam um den Segen für das Haus und seine künftigen Bewohner baten. Bei einer Sanierung wisse man bekanntlich nie, welche Überraschung ein Gebäude bereithält, antwortete die Architektin auf die SÜDKURIER-Frage nach besonderen Herausforderungen. Es sei gelungen, das Gebäude im Bestand zu sanieren und auch energetisch auf den modernsten Stand zu bringen, ergänzte Masuch-Bayer, dass auch bei dieser Sanierung wie überall Lautenbach die Feuchtigkeit im Gebäude eine Herausforderung war. Die Blaskapelle Lautenbach, die den Festakt musikalisch umrahmt hatte, spielte ein letztes Stück, bevor die Lautenbacher und ihre Gäste sich Butterbrezeln und Hefezopf schmecken ließen. Bei einem Rundgang zeigte der Geschäftsführer den Gästen, darunter Bürgermeisterin Alexandra Kipp, die Räumlichkeiten, in die ab dem 16. März die ersten Bewohner einziehen.

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© Südkurier