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13 Jahre Haft: Erst fiel das Urteil, dann zog sich Ex-RAF-Terroristin Klette die Schuhe aus

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27.05.2026

Die Frau, die dem Terror von links wieder ein Gesicht gegeben hat, ist guter Laune – oder tut zumindest so. Lächelnd betritt Daniela Klette den Gerichtssaal im niedersächsischen Verden, winkt ihren Freunden im Publikum zu und umarmt dann ihre Anwälte. Das Urteil, 13 Jahre Haft, nimmt sie eher beiläufig zur Kenntnis. Immer wieder blickt sie in Richtung der Zuschauerplätze, wo junge Aktivisten mit Palästinensertuch und geballter Faust ihr genauso zujubeln wie ein paar alt und grau gewordene Sympathisanten aus der linken Szene. Wäre der Gerichtssaal ein Fußballfeld – die 67-Jährige aus der dritten Generation der terroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) hätte hier ein Heimspiel. 

„Freiheit für Daniela“ skandieren ihre Unterstützer, von denen einige besonders laute Störer von Justizbeamten abgeführt werden müssen. Lars Engelke dagegen, der Vorsitzende Richter, fährt ungerührt in seiner Urteilsbegründung fort. „Arbeitsteilig und äußerst konspirativ“ sei die Angeklagte mit zwei Komplizen bei einer Serie von Raubüberfällen auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vorgegangen, sagt er. Mit ihrem Urteil wegen schweren Raubes, versuchten schweren Raubes, erpresserischen Menschenraubes, schwerer räuberischer Erpressung und mehreren Verstößen gegen Waffengesetze bleibt seine Kammer allerdings zwei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. 

Weil der eigentliche Gerichtssaal für den Klette-Prozess zu klein war, hat die Landesregierung eine ehemalige Reithalle angemietet

Für das Landgericht in Verden an der Aller, 27.000 Einwohner, eine halbe Autostunde südöstlich von Bremen gelegen und bisher vor allem als Hochburg der Pferdezucht bekannt, ist dieser Prozess ein Großereignis, deutlich größer als das Verfahren gegen den früheren SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy, der sich hier 2015 wegen des Besitzes von Kinderpornografie verantworten musste. Sicherheitszäune, Stacheldraht, Überwachungskameras und das Publikum durch eine drei Meter hohe Wand aus Sicherheitsglas vom Gericht getrennt: Das beschauliche Verden mit den vielen Pferdekoppeln und den kleinen, verklinkerten Häusern, die sich in die Landschaft ducken, ist für ein Jahr zu einem Stammheim des Nordens geworden. Mehr als einen Block, einen Stift und eine Flasche Wasser darf kein Journalist und kein Besucher mit ins Gericht nehmen. Mobiltelefone, Geldbeutel, ja selbst digitale Fitnessuhren werden in eigens dafür aufgebaute Schließfächer weggesperrt. 

Weil der eigentliche Gerichtssaal für den Klette-Prozess zu klein war, hat die Landesregierung für 3,6 Millionen Euro eine ehemalige Reithalle........

© Südkurier