menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Vom Schatten ins Licht: Warum Ostern für Pfarrer Norbert Nutsugan mehr als ein Fest der Freude ist

21 0
03.04.2026

Im Laufe seiner Lebensjahre stellt der Mensch fest: Dieses Leben ist kein Sommerspaziergang an der ruhigen, schönen Überlinger Seepromenade frühmorgens. Kein Zuckerschlecken! Das Leben ist zwar ein wertvolles Geschenk aber zugleich voller Herausforderungen. Zu den größten Herausforderungen, wenn nicht die allergrößte, gehört der Tod. Beim Tod denken wir meist an die Zeit nach dem Sterben. Es gibt aber viele Tode: Das Ende einer Beziehung, der Bruch mit dem Elternhaus, das Ende einer Freundschaft, der Verlust der Arbeit, der Verlust der Gesundheit, der Verlust einer Schwangerschaft, der Unfrieden, die Hungersnot und die vielen Kriege, die viele Menschen in den leiblichen Tod reißen, et cetera. Diese alltäglichen Tode sowie das Leiden und alles, was sich daraus ergibt, treiben die Menschen um. Sie müssen auch ernst genommen werden. Das Leiden lässt sich nicht wegbeten und wegzaubern.

Die Osterbotschaft lautet: Der Herr ist auferstanden

Was dann? Gibt es keine Hoffnung? Inmitten menschlicher Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung lautet die Osterbotschaft: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja! (Vgl. Lk 24.34). Einer, der tot war und im dunkeln Grab lag, soll nun leben? Tatsächlich ist die Osternacht geprägt durch Verwandlung der Dunkelheit durch das Licht. Das helle Licht des Lebens und der Liebe Gottes überwindet das Dunkel des Todes und des Hasses. Das Leben überwindet den Tod! Kann diese Botschaft glaubwürdig sein? Wenn wir den Umfragen trauen dürfen, glauben nur 50 Prozent der Gläubigen an die Auferstehung. Paulus schreibt schon: „Wenn aber verkündet wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?

Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden.“ (1 Kor 15, 12-16). Ermutigt werden wir durch diese Aussage der Osterbotschaft zu trauen und österliche Menschen zu werden. Es klingt nach der Einladung, die Augen des Herzens zu öffnen, um die alltäglichen Auferstehungserfahrungen in unserem Leben wahrzunehmen: die Versöhnung nach einem heftigen und langen Streit, die geschenkte oder empfangene Vergebung, die Genesung nach einer leichten oder schweren Krankheit, die Geburt eines Kindes, der Erfolg, et cetera.

Vita von Norbert Nutsugan

Pfarrer Norbert Nutsugan ist Jahrgang 1983 und kommt ursprünglich aus Togo, einem kleinen, schmalen Land Westafrikas. Nach dem Abschluss des Philosophikums kam er nach Deutschland und studierte von 2008 bis 2012 Theologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Nach dem Abschluss wurde er als Priesteramtskandidat der Erzdiözese Freiburg aufgenommen. Den Pastoralkurs sowie das Diakonatsjahr absolvierte Pfarrer Nutsugan in der damaligen Seelsorgeeinheit Gottmadingen. 2016 wurde er im Freiburger Münster von Erzbischof Stephan Burger zum Priester geweiht. Als Vikar beziehungsweise Kooperator wirkte er unter anderem in Karlsruhe, Markgräflerland, Stockach und Hüfingen. Seit Oktober 2025 lebt Nutsugan in Überlingen in seiner neuen Rolle als stellvertretender Pfarrer der Pfarrei Markdorf St. Nikolaus.

Das Osterlicht schenkt Hoffnung

Für österliche Menschen hat Gott seine Finger im Spiel und ermöglicht diese alltäglichen unscheinbaren Auferstehungserfahrungen. Österliche Menschen sind privilegierte Menschen! Denn in der Nacht des eigenen Lebens, in der Nacht unserer Zweifel, in der Nacht unserer Krankheit, in der Nacht unserer Ohnmacht sind wir nicht umnachtet, sondern erleuchtet, ohne dass die Nacht ganz aufgehoben wird. Wir können unser Dunkel aushalten, weil es das Osterlicht gibt. Wir können zu unserem eigenen Schatten stehen, weil es das Osterlicht gibt. Wir sind oft in der Situation der Emmausjünger, dass wir trauern und weinen, vielleicht sogar verbittert sind, voller Wut im Bauch. Gerade auch in dieser Lebenssituation, in der Hoffnungslosigkeit, wird uns das Osterlicht und die Hoffnung geschenkt. Wenn wir aus Angsthasen Osterhasen werden, haben wir den Ostereignungstest bestanden. Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!

Traditionell zu den hohen kirchlichen Feiertagen Weihnachten und Ostern bittet der SÜDKURIER jeweils einen Geistlichen um einen Gastbeitrag.

Norbert Nutsugan Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Ostern Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis

Seepromenade Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis


© Südkurier