Aus nach zwei Jahren: Waldshuter May zieht sich wieder aus Tiengen zurück
Nach gut zwei Jahren bricht das in Waldshut ansässige Modehaus May Mode seine Zelte in Tiengen wieder ab. Dort hatte das Unternehmen Räumlichkeiten des eingesessenen Namensvetters May Fashion gepachtet und versucht, ein neues Fachgeschäft für Herrenmode zu etablieren. Dies habe nicht in geplanter Weise funktioniert, erklärt May Mode auf Nachfrage. Was die Entscheidung für die beiden Unternehmen und deren Zusammenarbeit bedeutet, und wie es weitergeht?
Wie genau sah die Zusammenarbeit der Akteure in Tiengen aus?
Wenngleich sie seit bald 100 Jahren als eigenständige Unternehmen am Markt in der Region etabliert sind, haben May Fashion (Tiengen) und May Mode (Waldshut) doch dieselben Wurzeln in Tiengen. Mit der Pacht von Räumlichkeiten im Gründungshaus durch May Mode peilten die Unternehmen eine engere Kooperation an. Der Waldshuter May eröffnete hier ein Fachgeschäft für Männermode, „preislich zwischen den beiden renommierten Modegeschäften May Fashion und Jürgens Mode“, wie Geschäftsführer Michael Polzer damals darstellte.
„Wir möchten gemeinsam mögliche Synergien entdecken, aufzeigen und nach Möglichkeit realisieren“, verbanden die Brüder Thomas und Klaus Haug, Geschäftsführer von May Fashion, damals eine zweite Perspektive mit dem gemeinsamen Vorgehen. Es wurde nämlich als „erster, sehr besonnener Schritt“ zu einer Nachfolgeregelung für May Fashion in den Raum gestellt, da die beiden Geschäftsführer „mittel- bis langfristig“ die Übergabe der Geschäftsführung ins Auge fassten.
May Mode und May Fashion
Von den Schwestern Berta und Elise May wurde das Einzelhandelsgeschäft 1919 in Tiengen gegründet. 1930 eröffnete Berta May das erste Geschäft in Waldshut. Fortan firmierten beide Geschäfte als rechtlich und geografisch getrennte Unternehmen. Laut Angaben beider Unternehmen gab es nie eine offensive Konkurrenz. May Mode ist inzwischen mit verschiedenen Geschäften und Concept-Stores in Waldshut, Laufenburg und Bad Säckingen vertreten und beschäftigt etwa 200 Mitarbeiter. May Fashion betreibt in Tiengen ein Modehaus mit Rundum-Angebot.
Was gab den Ausschlag für den Abzug des Waldshuter May?
„Nach zwei Jahren mussten wir feststellen, dass das Schließen einer Nische nicht funktioniert hat“, bedauert Daniel Kistner, Marketingverantwortlicher von May Mode, die Entwicklung. Die Nische, die ausdrücklich so gewählt war, dass keine Konkurrenz zum eingesessenen Modehandel entstehen sollte, habe sich als wirtschaftlich nicht tragfähig erwiesen.
Ende Februar habe May Mode daher die Entscheidung zur Schließung des Geschäfts in Tiengen vollzogen, so Kistner weiter. Mit Entlassungen sei dies nicht verbunden gewesen. Die beiden Mitarbeiter in Tiengen seien inzwischen ins Waldshuter Team integriert worden.
Auch der Austausch zwischen May Waldshut und May Tiengen sei nach wie vorhanden. Insbesondere seien die Vertreter beider Unternehmen gemeinsam dabei, Gespräche mit potenziellen Nachmietern zu führen, um den nun entstandenen Leerstand möglichst schnell zu beheben, so Kistner.
Wie beurteilt May Tiengen die Entwicklung?
„Wir bedauern, dass die Konzeption für ein Nebeneinander von May Waldshut, May Tiengen und Jürgens Mode für Herrenbekleidung in Tiengen nicht aufgegangen ist“, schildert Klaus Haug auf Nachfrage. Die Kooperation zwischen den beiden Firmen sei damit allerdings nicht vollständig vom Tisch. Nach wie vor gebe es einen betriebswirtschaftlichen Austausch zwischen beiden.
Was die Themen Nachfolgersuche und Zukunftsplanung für May Fashion anbelangt, hält Haug sich noch zurück: „Wir sind gerade im Prozess, die Entscheidung von May Waldshut intern zu verarbeiten und sind dabei, neue Wege zu finden.“ Dazu gebe es aktuell Gespräche „in verschiedenen Richtungen“. May Fashion sei sich aber seiner Verantwortung für seinen Standort in Tiengen sehr bewusst: „Mit unseren zukünftigen Entscheidungen werden wir immer auch das Wohl des Tiengener Einzelhandels als Einkaufsstadt im Blick haben“, betont Haug.
Welche Auswirkungen hat die Entscheidung für die anderen Standorte von May Mode?
Folgen für die Standorte Waldshut, Bad Säckingen und Laufenburg, habe die Entscheidung zum Abgang aus Tiengen nicht, betont Kistner. Gleichwohl befinde sich das Unternehmen in einem größeren, seit Jahren anhaltenden Transformationsprozess, der mit den verschiedenen Herausforderungen zu tun habe, denen der Einzelhandel in der Region heute gegenüberstehe.
Insbesondere gelte es, Veränderungen beim Einkaufsverhalten Rechnung zu tragen, die sich seit den Pandemie-Jahren massiv bemerkbar machen. „Kuratierte Sortimente, attraktive Dienstleistungen und exzellente Beratung“, nennt Kistner als Faktoren, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Auch in Nachhaltigkeit stecke das Unternehmen große Anstrengungen. Bis 2030 sollen die Umstrukturierungen abgeschlossen sein - pünktlich zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Unternehmens May Mode.
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