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Münkler: „Die Vorstellung, dass man durch einen Krieg Probleme schnell lösen kann, ist geplatzt“

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22.06.2026

Herr Münkler, in diesen Tagen ist etwas Erstaunliches geschehen: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist zu Ende gegangen und das Abkommen, das den Weg zum Frieden ebnen soll, trägt die Handschrift Teherans. Hat die stärkste militärische Macht gegen das Mullah-Regime verloren?

HERFRIED MÜNKLER: Die ausgehandelte Absichtserklärung ist nichts anderes als das Eingeständnis einer Niederlage der Vereinigten Staaten. Denn wenn man die Ziele und den Zweck, den die USA benannt hatten, vergleicht mit dem, was nun aufgeführt ist, dann ist davon wenig übrig geblieben. Weder ist sicher, dass der Iran bereit ist, auf sein Nuklearwaffen-Programm zu verzichten. Das wird zwar in den kommenden 60 Tagen verhandelt, doch ob das Niveau der alten Vereinbarung, die die Europäer, die USA und der Iran getroffen hatten und die Donald Trump in seiner ersten Präsidentschaft aufgekündigt hatte, erreicht wird, steht in den Sternen. Noch ist der Verzicht auf ballistische Raketen geregelt – und von einem Regime-Change ist gar keine Rede mehr. Wenn der Iran dann auch noch Gebühren für die Schiffspassage durch die Straße von Hormus erhebt, landen wir auf einem Niveau, das schlechter ist als vor Beginn des Krieges.

Ist militärische Stärke nicht mehr das wichtigste Kriterium, um einen Krieg zu gewinnen?

MÜNKLER: Washington dachte, man könnte das Problem mit Luftschlägen lösen und das iranische Regime durch das Töten seiner Spitzen zum Einlenken bewegen – also mit einer Art venezolanischer Lösung. Doch das Regime in Teheran ist ein komplett anderes als das in Caracas. Sicher gab es Leute im US-Generalstab, die Donald Trump genau davor gewarnt haben. Doch auf Berater hört er so wenig, wie dies der russische Präsident Wladimir Putin im Vorfeld des Ukraine-Kriegs getan hat. Anders als Putin hatte Trump aber keine Bodentruppen, die die iranische Küste hätten erobern können. Schließlich hatte er seinen Wählern versprochen, sie nicht mehr in lange Kriege zu verwickeln. Also sollte das Modell Trump greifen.

MÜNKLER: Er poltert, er schlägt kurz zu, die anderen erzittern und machen, was er will. Doch das hat nicht gefruchtet. Er hätte also entweder einen langen Krieg führen müssen, was ihm Probleme mit seiner MAGA-Bewegung bescheren würde – es stehen ja die Zwischenwahlen vor der Tür. Oder – und dazu hat er sich entschieden – er musste nachgeben, was wiederum die Falken innerhalb der republikanischen Partei in Aufruhr versetzt.

Sie erwähnten Wladimir Putin. Auch er muss versuchen, die Folgen des Krieges so weit wie möglich von seiner........

© Südkurier