Von heiter bis melancholisch
Im gut besuchten Kammerkonzert „Sweet Bird“ haben die Zuhörer in der Görwihler Pfarrkirche Barockmusik von Händel, Purcell, Sammartini und Marcello erlebt. Den Anfang machten zwei Stücke von Händel, die als Duette mit Basso continuo komponiert wurden, wobei die Flöte einen Gesangspart übernahm. Mit seinem aparten Wechselspiel der Melodiestimmen kam „Quel fior che all’alba ride“ munter daher. Im Gegenzug wirkte „Ahi nelle sorti umane“ melancholisch, mit sehnsüchtigem Blick auf das schnell entschwindende Glück.
Konnten die Zuhörer hier bereits die anmutigen Zwiegespräche von Flöte und Singstimme genießen, wurde dieser Genuss bei der Rückkehr zu Händel am Ende des Konzerts verstärkt. Dies mit dem innigen, den Text immer wieder aufs Neue auskostenden „Süßer Blumen Ambraflocken“ aus den „Neun deutschen Arien“ sowie dem „Sweet Bird“, das dem Konzert seinen Titel gegeben hatte.
In dieser Nachtigallenarie aus dem ersten Teil der pastoralen Ode „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ tirilieren Flöte und Sopran mit überschwänglichen Koloraturen und zirpenden Stakkati tonmalerisch um die Wette. Selbst das Cembalo schwelgt in zwitscherndem Zwischenspiel mit.
Purcell wurde mit einem die Liebe in der Süße eines Kusses kostenden Lied ins Programm eingeführt: „Sweeter than Roses“. Hier kam bei den immer wieder um ein Thema kreisenden Texten Händels Siri Karoline Thornhills kraftvoller, in den Höhen strahlender und im tieferen Bereich warm leuchtender Sopran voll zur Geltung. Das Wahnsinnslied „Bess Of Bedlem“ offenbarte mit seinen im fortlaufenden Text aufscheinenden wechselnden Stimmungen von sanfter Melancholie über kurz aufblitzende Lichtblicke oder beinahe rezitativisch erzählerische Passagen bis zu tiefster Schwermut nochmals auf andere Art die große Bandbreite ihrer tonmalerischen Textausdeutungskraft.
Instrumentalisten zeigen ihre Meisterschaft
Sammartinis Flötensonate mit ihren anmutigen Linien in den langsamen sowie den neckisch mit dem Cembalo interagierenden Motiven in den schnellen Sätzen war ein glanzvoller und bereichernder Programmpunkt. Aber auch die Cellosonate Marcellos mit ihrer wunderschön in sich schwingenden Melodie des ersten Satzes, dem lebendig zupackenden zweiten Satz mit seinen markanten Echos und dem mehrfach den Charakter wechselnden Largo. Hier konnten die Instrumentalisten ihre Meisterschaft nochmals zum Ausdruck bringen.
Applaus im Stehen und Bravorufe
Auf den Applaus im Stehen und die Bravorufe des Publikums hin kredenzte das Ensemble als Zugabe einen ganz Leckerbissen: das mit seiner Seufzerchromatik zum Dahinschmelzen todtraurig-schöne Lamento Lauras über ihren dahingegangenen Liebsten aus Purcells Oper „Fairy Queen“.
Karin Stöckl-Steinebrunner Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
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