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Sind Wohnheime in Konstanz wirklich noch die erste Wahl für Studierende?

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18.04.2026

Mit dem Semesterbeginn kehren zahlreiche Studentinnen und Studenten in die größte Stadt am Bodensee zurück, andere beginnen mit ihrem Studium ein neues Lebenskapitel. Während die Universität Konstanz am Dienstag, 7. April, in das neue Semester startete, begannen die Vorlesungen an der HTWG bereits am 16. März. Viele suchten zunächst nach bezahlbarem Wohnraum, ein Thema, das in Konstanz seit langer Zeit als schwierig gilt. Wohnheime zählen oft zu den wenigen bezahlbaren Optionen für Studierende. Doch trotz der begrenzten Anzahl an Plätzen und der Erschwinglichkeit wird nicht jedes Angebot gleichermaßen angenommen.

Wohnheimplätze: Nachfrage und Vergabesysteme

Nach Angaben des Studierendenwerks Seezeit können zum Sommersemester 2026 insgesamt 2343 Wohnheimplätze verzeichnet werden. Für den aktuellen Vergabezeitraum gingen etwa 790 Bewerbungen ein, rund 500 Plätze konnten neu vergeben werden. Tatsächlich haben laut Corinna Voigt, zuständig für Kommunikation und Presse, aber am Ende nur 60 Bewerbende eine Absage erhalten. Rein rechnerisch hätte diese Zahl viel höher sein müssen. Das liege daran, dass viele Interessierte im Laufe des Bewerbungsverfahrens doch noch abspringen.

Im katholischen Studentenwohnheim Albertus-Magnus-Haus (AMH) stellt sich die Situation etwas anders dar. Dort gingen für das laufende Semester 219 Bewerbungen ein. Neu vergeben werden konnten laut Wohnheimleiter Sebastian Scholz jedoch nur rund 50 Zimmer. Gerade zum Sommersemester wechseln weniger Studierende ihren Wohnort, viele bleiben im Wohnheim oder kehren nach einem Praxis- oder Auslandssemester zurück. Im AMH werden diese Rückkehrenden laut Scholz bevorzugt berücksichtigt, bevor neue Bewerbende zum Zug kommen. „Wir wollen, dass sie das Haus als Heimat empfinden und sich hier so einleben, dass sie für den Zeitraum ihres Studiums ein Zuhause haben“, sagt Scholz.

Grundsätzlich richte sich die Vergabe im AMH vor allem an Studierende in den ersten Semestern, erläutert Scholz. Darüber hinaus spielten auch soziale Kriterien eine Rolle, etwa die finanzielle Situation der Bewerber. Hingegen bei Seezeit würden die Plätze nach einem Zufallsprinzip vergeben, bei dem grundsätzlich alle Bewerber die gleiche Chance haben. Für Austauschstudierende werde allerdings immer ein festes Kontingent freigehalten, so Voigt.

Das Albertus-Magnus-Haus und sein Konzept

Das katholische Studentenwohnheim Albertus-Magnus-Haus (AMH), das 1967 gegründet und 2013 saniert wurde, bietet 348 Einzelzimmer für Studierende. Träger ist die katholische Gesamtkirchengemeinde Konstanz. Anders als klassische Wohnheime setzt es auf ein gemeinschaftliches Wohnkonzept: Auf jedem Stockwerk leben 28 Studierende, die sich Gemeinschaftsräume und Küche teilen. Organisiert wird das Zusammenleben über eine gewählte Heimselbstverwaltung mit Stockwerkssprechern und Heimsenioren, das sind die zwei obersten Vertretenden der Bewohnerschaft, welche zusammen mit der Heimleitung das Wohnheimleben gestalten. Neben dem Alltag gehören dazu auch Freizeitangebote, wie Sport, gemeinsame Aktivitäten am See sowie Veranstaltungen im Haus. Ergänzt wird das Angebot durch ein neues Stress-Coaching.

Sind Studierende wählerisch geworden?

Nach Einschätzung des Heimleiters Sebastian Scholz habe sich das Bewerbungsverhalten in den vergangenen Jahren auch im AMH verändert. Während Wohnheimplätze früher meist sofort angenommen worden seien, sagten Bewerbende heute häufiger kurzfristig ab, etwa, wenn sie doch noch eine private Unterkunft gefunden hätten. Für die Verwaltung bedeute das zusätzlichen Aufwand, „aber voll sind wir trotzdem immer“, so Scholz.

Auch das Studierendenwerk könne diese Beobachtungen machen, wobei die Nachfrage nach Wohnheimplätzen generell zurückgegangen wäre. Nach eigenen Angaben könne daher bei Seezeit nicht von einer Wohnungsknappheit gesprochen werden. Gleichzeitig zeige sich außerdem, dass sich die Präferenzen der Wohnform verschieben: Bei einem Angebot nehme mittlerweile nur noch jeder fünfte oder sechste Studierende ein WG-Zimmer und jeder zweite ein Einzelappartement an. Um dennoch alle Plätze vergeben zu können, sei Seezeit auf den Überhang an Bewerbern angewiesen, um alle Zimmer vergeben zu können, sagt Voigt.

Anders im AMH: Das auf größere Gemeinschaften basierende Wohnkonzept werde weiterhin stark gefragt. Nach Einschätzung des Heimleiters erleichtere das Zusammenleben den Einstieg ins Studium und fördere den Austausch, welcher durch gemeinsam organisierte Aktivitäten verstärkt werde. Der Wunsch nach Gemeinschaft sei dabei zuletzt wieder gewachsen. Er stelle fest, dass „nach Corona der Sinn nach Gemeinschaft und Miteinander groß und gefragt ist“.

Am Ende bleibt offen, ob sich Studierende wählerischer zeigen, ihre Wohnpräferenzen ändern oder sich die Wohnraumsituation tatsächlich gewandelt hat.

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