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Explosive Mischung: Diese Ausstellung verbindet Zigaretten und Zapfsäulen

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21.04.2026

„Meine Jungs“ nennt Lisa Röing Baer die Skulpturen im Kunstverein. Ihr Arbeitstitel ist „Janus“ und im Katalog heißen sie „My first“, „My second" und „My third“. Breitschultrig nehmen sie den Raum ein und wie der römische Gott Janus haben sie zwei Gesichter: In ihrem früheren Leben als Zapfsäulen waren sie Inbegriff benzin- und dieselbetriebener Mobilität. Heute sind sie saubere, entkernte Kunstwerke. „Sie blicken in zwei Richtungen: In die Vergangenheit, die den Verbrauch fossiler Energie mit Roadtrips und Freiheit verband, und in eine Zukunft, die vielleicht einen anderen Blick auf unsere Ressourcen hat“, sagt Lisa Röing Baer.

Kombination soll Unbehagen erzeugen

Dazu hängt sie Fotografien von Händen, die Zigaretten aus Autofenstern halten – auch Rauchen ist eine Gewohnheit, die Menschen trotz bekannter Schädlichkeit beibehalten. Die Perspektive der Bilder verweist auf einen weiteren Aspekt: Sie sind aus dem Auto der Künstlerin fotografiert. „Sie sieht sich selbst als Teil des Problems“, erklärt Kuratorin Marlene Schenk. Vor allem aber erzeugt die Kombination von Zigaretten und Tankstellen Unbehagen, und das mit Absicht: „Es braucht nur einen Funken, um eine Explosion auszulösen“, sagt Lisa Röing Baer. Für sie ist das auch ein Sinnbild für die Entladung der Wut der Abhängigen.

Kunstverein zeigt „spark“ bis 14. Juni

Im oberen Stockwerk werden die Themen weiter gesponnen. Eine weitere Fotografie mit Zigarette im Zentrum heißt „He was a prisoner and he longed for freedom“, übersetzt: „Er war ein Gefangener und sehnte sich nach Freiheit“. Ein CD-Spieler im Retro-Design spielt Popsongs wie Bowies „Cat People“ und „All Hell for a Basement“ von Big Sugar, die Öl als Treibstoff einer Kultur besingen. Bedruckte Servietten zitieren mit „On human bondage“, übersetzt: „Des Menschen Hörigkeit“, den Titel eines Romans von Somerset Maughan über die emotionale Abhängigkeit der Hauptfigur von einer ihn verachtenden Frau. Ein Stehtisch lädt zu Austausch und Unterhaltung ein.

Die Ausstellung „spark“ ist bis zum 14. Juni im Kunstverein zu sehen.

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