Chaos in der Weltpolitik? Diese Organisation vom Bodensee pfeift darauf
„Wir haben noch keinen Liter Öl gebraucht“, sagt Gärtner Josef Müller. Er spricht von den kalten Gewächshäusern auf der Insel Reichenau, in denen zu jeder Jahreszeit Gemüse für die Solidarische Landwirtschaft – kurz: Solawi – wächst. Diese ist weniger abhängig vom Chaos in der Weltpolitik und steigenden Energiepreisen. Die Solawi ist das Gegenmodell zur industriellen Landwirtschaft mit riesigen Anbauflächen, auf denen wenige Arten wachsen. Bei der Solawi gedeihen bis zu 60 Kulturen. Sie ist regional, saisonal, kleinteilig und nutzt altes Wissen. Wie ist es der Erzeugergemeinschaft gelungen, sich von Preisen und Weltgeschehen unabhängig zu machen?
Die Transportwege sind kurz und die Gewächshäuser nicht beheizt
Die kurzen Wege: Das Gemüse der Solawi produziert der Betrieb von Julia Gröner auf der Insel Reichenau. Dort ist Josef Müller Gärtner. Die Verbraucher sitzen in Konstanz, Allensbach und Radolfzell. Um die zehn Stationen zu beliefern, an denen die Bezieher ihr Gemüse abholen können, fallen 75 Kilometer an Fahrtstrecke an. Das Gemüse, das im Supermarkt landet, wird dagegen oft hunderte und tausende Kilometer durch die Gegend gefahren. Bei der Solawi aber gibt es keine langen Lieferketten, die reißen könnten.
Das kalte Gewächshaus: Glashäuser der Solawi bleiben im Normalfall kalt. Geheizt würde nur bei andauernder Bibberkälte, also wenn etwa zwei Wochen lang Minus 10 Grad oder mehr herrschen würden, wie Josef Müller sagt. Dies sei aber seit Bestehen der Solawi, also........
