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Was wäre Olten ohne die Aare? Unser Kolumnist wagt das Gedankenexperiment

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16.04.2026

«Was wäre Olten ohne die Aare?» – Jüngst an einer Geburtstagsfeier locker in die Runde geworfen, setzt diese Frage für die nächste halbe Stunde das Thema. Mindestens, vielleicht auch länger. Denn mit der Aare hat jeder ein Erlebnis verbunden, hat jede eine Erinnerung verknüpft.

Brückenspringer in Olten oberhalb der Badi.

Der Hauptfokus dreht sich rasch um Aktivitäten im und am Wasser. Wo ist die beste Einstiegsstelle, wo kommt man am schnellsten raus? Die einen starten schon in Aarburg, die anderen im Chessiloch und die weniger Wagemutigen lassen sich nur der Badi entlang in der Aare treiben. Und Vorsicht, ja nicht den letzten Ausstieg vor dem Stauwehr in Winznau verpassen.

Da wird diskutiert, wo es sich gemütlich durch die sanften Fluten tragen lässt und welche gefährlichen Strömungen und Wirbel zu meiden sind. Ebenso wird geschwärmt, wie sich der Sprung ab der Eisenbahnbrücke lohnt. Und gleichzeitig gewarnt, wo alte Armierungseisen vermutet werden, die beim Bau der Brücke in den Tiefen landeten und den Sprung ins Wasser in der Katastrophe enden lassen könnten. Oder ist dies nur ein Gerücht, um übermütige Jugendliche vor halsbrecherischen Salti ins kühle Nass abzuhalten? Die schauerlichste Geschichte an diesem Abend erzählt von einer Wasserleiche, die einer der Gäste einst am seichten Aareufer entdeckt hat.

Natürlich kommt auch die städtische Aare-Politik aufs Tapet. Was ist eigentlich aus der «Aareschwimmstadt» geworden? Zur Erinnerung: 2022 hat das Gemeindeparlament einer Volksinitiative mit 27 zu 5 Stimmen zugestimmt , welche eine Aufwertung der Aare als Schwimmfluss fordert. Zwischen dem Chessiloch und dem Ende des Uferwegs Richtung Winznau – auf einer Länge von rund 2,8 Kilometern also – sollten etwa zusätzliche Ein- und Ausstiegsstellen entstehen sowie Frischwasserduschen installiert werden.

Von neuen Duschen ist bis heute nichts zu sehen – zu teuer und zu aufwendig offenbar. Ob neue Ein- oder Ausstiege hinzugekommen sind, weiss gerade niemand in der Geburtstagsrunde. Auf der Website der Stadt Olten datiert der letzte Eintrag zur «Aareschwimmstadt» von 2022. Umgesetzt im Sinne der enthusiastischen Initianten wurde das Begehren offenbar kaum. Da meine persönliche Schwimmstrecke meist nur die Badistrecke umfasst, überlasse ich das endgültige Urteil in dieser Sache den hartgesotteneren Aareschwimmern.

Kolumnist Ruedi Studer.

Die abendliche Diskussionsrunde zeigt jedenfalls, wie wichtig die Aare für Olten ist. Auch wenn der Fluss die Ortschaft in eine linke und rechte Stadtseite teilt, verbindet er die Bewohnerinnen und Bewohner eben doch. Die Aare als Mini-Ganges, der seinen Einheimischen heilig ist und als gemeinsame Pilgerstätte dient. Auch wenn die Aare die Badenden weder von Sünden reinigt noch die Erlösung bringt, ist sie doch ein Lebensnerv, der die Menschen zusammenbringt.

Das gilt auch historisch betrachtet. Dass Olten blüht und lebt, wo es heute steht, dafür ist die Aare entscheidend. Wo ein Fluss ist, braucht es Brücken – und so war Olten schon zur Römerzeit ein befestigter Brückenkopf und damit ein wichtiger Verkehrsort. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Von Geschichtsschreibern wird auch die spätere Bedeutung als Brückenstadt immer wieder erwähnt. Vom Transit profitierte einerseits das Gewerbe mit Wirtsleuten, Wagnern oder Schmieden, andererseits auch die Obrigkeit durch Zolleinnahmen. Olten war mit seinem Floss- und Schiffsverkehr auch auf dem Wasser ein wichtiger Verkehrsknoten. Nicht von ungefähr gibt es hier einen «Ländiweg», der auf die frühere Schifflände am rechten Aareufer Bezug nimmt.

Was also wäre Olten ohne die Aare? Vielleicht würde Olten heute ganz woanders liegen oder gar nicht existieren. Vielleicht wäre es ein kleines Kaff oder ein blasses Mittellandstädtchen irgendwo im Nirgendwo. Ich weiss es nicht. Gewiss ist aber: Mit Aare ist Olten alles!

Ruedi Studer ist Bundeshaus-Journalist beim «Blick» und lebt in Olten.

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