Ihre Sorgen lügen – glauben Sie ihnen nicht!
Katastrophen im Kopf: Wie das Gehirn aus Unsicherheit reale Angst und Stress erzeugt
Ihre Sorgen lügen – glauben Sie ihnen nicht!
Unser Gehirn füllt Informationslücken mit Horrorszenarien, nach dem Motto: lieber ein Fehlalarm als eine böse Überraschung. Hier sind drei Gegenmittel.
Als meine Klientin Lina (41) kurz vor Feierabend anrief, klang sie panisch. Sie witterte ihre Entlassung. Die Geschäftsleitung hatte ihre Akte angefordert, wie sie von einer Freundin aus der Personalabteilung wusste. Zudem befragte ihre Vorgesetzte das Team zum letzten Projekt.
Lina begann das Coaching mit einem Schuldbekenntnis: Sie habe die Kollegen zu hart angefasst, um Termine zu halten. Sie grübelte bereits über Formulierungen für ein Abschlusszeugnis. Auf meine Frage, warum sie so sicher von einer Entlassung ausgehe, reagierte sie verständnislos – für sie lag die Katastrophe auf der Hand.
„Standpunkt“ – der Gastkommentar
Unsere Gesellschaft lebt davon, dass die beste Idee gewinnt. Dafür braucht es Debatten und Argumente – auch wenn sie kontrovers sind. Argumente, die aus praktischen Erfahrungen gespeist sind. Im Gastbeitrag „Standpunkt“ lassen wir deshalb Menschen zu Wort kommen, die wichtige Debatten und Ideen aus ihrer Praxis beurteilen können. Und bieten ihnen einen festen Ort, um zu hinterfragen, ob eine Idee nur groß ist oder wirklich Potenzial hat – und welche Argumente der Realität standhalten.
Doch im realen Gespräch mit der Geschäftsleitung wurde Lina zur Teamleiterin befördert. Ihre Vorgesetzte lobte ausdrücklich, wie sie alle zu Höchstleistungen angespornt hatte. Was war passiert? Lina hatte die Fakten durch einen negativen Filter laufen lassen. Weil sie nach einer Katastrophe suchte, fand sie überall Anzeichen dafür.
Eine Studie der Jacobs University in Bremen zeigt, dass gefühlte Einsamkeit ähnlich belastet wie echte Isolation. Wer sich einen Streit nur ausmalt, leidet real darunter. Dahinter steckt die „Intoleranz der Unsicherheit“: Unser Gehirn füllt Informationslücken mit Horrorszenarien, nach dem Motto: lieber ein Fehlalarm als eine böse Überraschung. In Gedanken fallen wir durch bei Prüfungen (die wir bestehen), versemmeln Vorträge (für die wir Applaus bekommen), verlieren unser Baby (das gesund zur Welt kommt) oder stürzen mit einem Flugzeug ab (das sicher landet).
Sorgen sind ein Produkt Ihrer eigenen Herstellung.
Sorgen sind ein Produkt Ihrer eigenen Herstellung.
„Ich mache mir Sorgen“ bedeutet: Sorgen sind ein Produkt Ihrer eigenen Herstellung. Wenn Sie der Produzent sind – warum nicht die Produktion herunterfahren? Drei Gegenmittel helfen:
Erstens: Trennen Sie Fakten von Fantasien. Fragen Sie sich konsequent: Was weiß ich sicher – und was interpretiere ich nur? Lina wusste nur von einem Termin und Fragen der Chefin. Alles Weitere waren ihre Interpretationen.
Zweitens: Steuern Sie bewusst gegen. Unser Gehirn liefert oft nur die schlimmste Erklärung. Suchen Sie nach Alternativen. Wer Sie anschnauzt, hat vielleicht kein Problem mit Ihnen, sondern ist selbst überfordert.
Drittens: Lenken Sie den Fokus auf das eigene Verhalten. Fragen Sie nicht „Was wird passieren?“, sondern „Wie gehe ich damit um?“ Das führt von lähmender Sorge zurück in die Handlungsfähigkeit.
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Und was, wenn Sie wirklich entlassen oder in einer Beziehung verlassen werden? Dann dürfen Sie natürlich traurig sein. Aber machen Sie sich bewusst: Enttäuschungen heben Täuschungen auf. Jedem Ende wohnt die Chance für einen besseren Neustart inne.
